Die Frühe NeuzeitRatgeber

Religionskriege der Frühen Neuzeit: vom Schmalkaldischen Krieg bis 1648

Religionskriege nennt man die Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts, in denen nach der Reformation Katholiken und Protestanten gegeneinander kämpften, oft vermischt mit Machtfragen. Dazu zählen der Schmalkaldische Krieg 1546 bis 1547, die acht Hugenottenkriege in Frankreich 1562 bis 1598, der Achtzigjährige Krieg der Niederlande und der Dreißigjährige Krieg, den der Westfälische Friede 1648 beendete.

Ein stiller Fachwerkplatz im Morgennebel mit einer Kirche mit zwei Türmen und einer kleinen weißen Kapelle
Bild: KI-generiert

Nach der Reformation standen sich in Europa zwei, bald drei Bekenntnisse gegenüber: Katholiken, Lutheraner und Reformierte [1, 3]. Wo Fürsten, Städte und Adel verschiedenen Glaubens waren, ging es um Kirchengut, Gottesdienstrechte und politische Macht zugleich. Im Heiligen Römischen Reich begann die Reihe der Glaubenskriege mit dem Schmalkaldischen Krieg 1546 [5], sie endete mit dem Westfälischen Frieden, der am 24. Oktober 1648 unterzeichnet wurde [2]. Frankreich erlebte zwischen 1562 und 1598 acht Kriege zwischen Katholiken und Hugenotten [6], die Niederlande kämpften von 1568 bis 1648 gegen die spanische Krone [8].

Wie die Spaltung der Kirche begann, erzählt der Artikel Die Reformation, die katholische Antwort darauf der Artikel Die Gegenreformation.

Das Reich: Schmalkaldischer Krieg und Augsburger Religionsfriede

Im Reich hatten sich protestantische Fürsten und Städte im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossen, an der Spitze Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen [5]. Kaiser Karl V. führte gegen sie vom 10. Juli 1546 bis zum 23. Mai 1547 Krieg, unterstützt von seinem Bruder Ferdinand und von Herzog Moritz von Sachsen [5]. Die EBSCO-Übersicht datiert den Krieg auf Juni 1546 bis Juni 1547 und nennt zusätzlich den Herzog von Alba als kaiserlichen Feldherrn [13]. In der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 wurde das sächsische Heer geschlagen und Johann Friedrich gefangen genommen [5, 13, 14]. Philipp von Hessen ergab sich im Juni 1547 in Halle; beide blieben bis 1552 in Haft [5].

Militärisch hatte der Kaiser gewonnen, durchsetzen konnte er seine Glaubenspolitik trotzdem nicht. Das Augsburger Interim von 1548, eine vorläufige Religionsordnung, nahmen weder Katholiken noch Protestanten an [5]. 1552 erhob sich Moritz von Sachsen im Bund mit dem französischen König Heinrich II. gegen Karl V., im selben Jahr handelte Ferdinand den Passauer Vertrag aus [5]. Mehr über den Kaiser steht im Artikel Karl V.

Am 25. September 1555 verabschiedete der Reichstag in Augsburg den Religionsfrieden [3]. Er galt für die Katholiken und für die Reichsstände der Augsburgischen Konfession, also die Lutheraner; die Reformierten blieben ausdrücklich ausgeschlossen [3]. Weltliche Reichsstände bekamen das Recht, über das Bekenntnis in ihrem Land zu bestimmen. Daraus wurde der Grundsatz "cuius regio, eius religio", wessen Herrschaft, dessen Religion [3, 4]. Untertanen anderen Glaubens durften auswandern [3]. Nach dem geistlichen Vorbehalt verloren geistliche Fürsten, die lutherisch wurden, ihre Rechte und Einkünfte [3]. Das österreichische Bundeskanzleramt hält fest, dass die Glaubensspaltung damit zu einem "irreversiblen europäischen Faktum" geworden war, die Spannungen aber ungelöst blieben [4].

Frankreich: acht Kriege um die Hugenotten

In Frankreich blieb die große Mehrheit katholisch, eine bedeutende Minderheit schloss sich der Reformation an [6]. Der Musée protestant zählt acht Kriege in 36 Jahren, unterbrochen von brüchigen Friedenszeiten [6]. Als Auslöser des ersten Krieges gilt das Blutbad von Wassy am 1. März 1562: Truppen des Herzogs François de Guise töteten etwa hundert Protestanten, die in einer Scheune Gottesdienst hielten [6]. Darauf rief Louis de Bourbon, Prinz von Condé, die Protestanten zu den Waffen und nahm am 2. April Orléans ein [6].

Eine schlichte Holzscheune mit offener Tür am Rand eines französischen Dorfes, innen leere Holzbänke im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Gewalt gab es auf beiden Seiten. In Nîmes ermordeten Reformierte am 30. September 1567 katholische Honoratioren, die sogenannte Michelade [6]. Die meisten Kriege endeten mit einem Friedensedikt, so 1563 in Amboise und 1568 in Longjumeau [6]. Der Frieden von Saint-Germain vom 8. August 1570 gab ihnen vier Sicherheitsplätze für zwei Jahre: La Rochelle, Cognac, La Charité-sur-Loire und Montauban [6].

Die Bartholomäusnacht 1572

Im August 1572 heiratete Heinrich von Navarra Marguerite de Valois, die Schwester König Karls IX., viele protestantische Adlige kamen dafür nach Paris [6]. Am 22. August überlebte Admiral Coligny knapp einen Anschlag [6]. In der Nacht vom 23. auf den 24. August, dem Bartholomäustag, beschloss ein königlicher Rat, die wichtigsten Anführer der Hugenotten zu töten [6]. Auf die Morde an Coligny und anderen Adligen folgte ein Gemetzel, das bis zum 29. August dauerte. Die Zahl der Toten ist umstritten. Für Paris nennt der Musée protestant 4.000 [6], Diefendorf und wissen.de nennen etwa 2.000 [11, 12]. In den Provinzen sind es nach Diefendorf rund 3.000 [11], nach dem Musée protestant etwa 10.000 [6] und nach wissen.de 10.000 bis 20.000 Tote [12]. Heinrich von Navarra und der Prinz von Condé wurden verschont, mussten aber katholisch werden [6].

Das Edikt von Nantes 1598

Der achte Krieg ab 1585 war der längste. Die katholische Liga unter Henri de Guise wollte verhindern, dass der Protestant Heinrich von Navarra König wurde [6]. Nach der Ermordung Heinrichs III. 1589 bestieg er als Heinrich IV. den Thron, musste sein Reich aber erst erobern [6]. 1593 kündigte er an, katholisch zu werden, 1594 öffnete ihm Paris die Tore [6]. Im April 1598 unterzeichnete er in Nantes das Edikt, das die Kriege beendete: Der reformierte Gottesdienst war überall dort erlaubt, wo er 1597 bestanden hatte, und alle Ämter standen den Reformierten offen [6]. Der Musée protestant datiert das Edikt auf den 30. April 1598 [6]. Ludwig XIV. hob es mit dem Edikt von Fontainebleau vom 18. Oktober 1685 auf [7]. Wie es den Hugenotten danach erging, beschreibt der Artikel Der Absolutismus.

Die Niederlande: Aufstand gegen Spanien

Die Niederlande gehörten zum Herrschaftsbereich Philipps II. von Spanien. Gründe für den Aufstand waren höhere Steuern und die Verfolgung der Protestanten, weshalb der Krieg auch Niederländische Religionskriege heißt [8]. 1566 zerstörten Calvinisten im Bildersturm katholische Bilder, Klöster und Kirchen; er begann in Flandern und breitete sich über das Land aus [8]. Philipp schickte danach den Herzog von Alba als Statthalter, der 1568 die Adligen Egmont und Horn hinrichten ließ [8].

Das helle Innere einer weiß getünchten niederländischen Kirche mit klaren Fenstern und leeren Holzbänken
Bild: KI-generiert

Wilhelm von Oranien organisierte den Widerstand von der Dillenburg aus. Den Sieg bei Heiligerlee am 23. Mai 1568 sieht die World History Encyclopedia als Beginn des Krieges [8]. 1579 schlossen sich die nördlichen Provinzen in der Utrechter Union zusammen, während sich im Süden Hennegau und Artois mit der Union von Arras der katholischen Seite anschlossen [8]. 1609 vereinbarten beide Seiten einen Waffenstillstand von zwölf Jahren, 1621 wurde wieder gekämpft [8]. Im Januar 1648 erkannte Spanien im Frieden von Münster die Unabhängigkeit der Republik an [8]. Die Zahl der Toten des Achtzigjährigen Krieges schätzt die World History Encyclopedia auf 100.000 bis 500.000 [8].

Der Dreißigjährige Krieg

Mit dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 begann der längste der Glaubenskriege im Reich [2]. Der Historiker Axel Gotthard teilt ihn in vier Phasen [1]. Im Böhmisch-Pfälzischen Krieg wählten die böhmischen Stände Kurfürst Friedrich von der Pfalz zum König, die katholische Liga siegte [1]. Im Niedersächsisch-Dänischen Krieg von 1625 bis 1629 griff Christian IV. von Dänemark ein und unterlag, vor allem gegen Wallenstein [1]. Im Schwedischen Krieg von 1630 bis 1635 fiel Gustav Adolf von Schweden 1632 [1]. In der vierten Phase kämpften Frankreich und Schweden gemeinsam gegen den Kaiser; entschieden wurde sie 1645 in den Schlachten von Alerheim und Jankau [1].

Wie sehr es um das Bekenntnis ging, zeigt das Restitutionsedikt von 1629. Es erklärte die katholische Auslegung des Religionsfriedens zur allein gültigen; Kirchengut, das protestantisch geworden war, sollte zurückgegeben werden [1]. Die Folgen des Krieges waren verheerend. Nach Gotthard sank die Bevölkerung Mitteleuropas von geschätzt 16 bis 17 Millionen im Jahr 1618 auf rund zehn Millionen 1648 [1]. Georg Schmidt nennt fünf bis acht Millionen Tote und mehr als die Hälfte der Häuser zerstört [2]. Den Verlauf im Einzelnen erzählt der Artikel Der Dreißigjährige Krieg.

England, Schottland und Irland

Auch die Bürgerkriege auf den Britischen Inseln hatten religiöse Ursachen, neben politischen und wirtschaftlichen [9]. Karl I. heiratete 1625 die katholische französische Prinzessin Henrietta Maria; viele Untertanen verdächtigten ihn deshalb katholischer Neigungen [9]. Viele englische Protestanten warfen ihm und Erzbischof William Laud vor, die Kirche von England mit Bildern, Kreuzen und Statuen der katholischen Kirche anzunähern [9]. 1637 führte Karl in Schottland ein neues Gebetbuch ein; der Widerstand dagegen führte zu den Bischofskriegen [9]. Im Oktober 1641 erhoben sich Katholiken in Irland [9].

1642 begann in England der Bürgerkrieg zwischen König und Parlament, 1649 ließ Oliver Cromwell Karl I. hinrichten [10]. Danach folgte eine elfjährige Militärherrschaft, der sich das Parlament beugen musste [10].

Der Westfälische Friede als zweiter Religionsfrieden

Für Gotthard ist der Westfälische Friede von 1648 der Zweite Religionsfrieden [1]. Als Stichtag für den konfessionellen Besitzstand galt das Normaljahr 1624, genauer der 1. Januar 1624 [1]. Der Calvinismus wurde reichsrechtlich geschützt, und die Gleichberechtigung der drei Konfessionen wurde ausdrücklich festgeschrieben [1]. Der Friede stellte das Nebeneinander der großen Kirchen rechtlich auf Dauer [1]. Nach 1648 gab es auf dem Kontinent laut Gotthard keine großen blutigen Glaubenskriege mehr [1]. Die Verhandlungen in Münster und Osnabrück stellt der Artikel Der Westfälische Friede von 1648 vor.

Ein holzgetäfelter historischer Ratssaal mit langem Eichentisch, geschnitzten Stühlen und hohen Bleiglasfenstern
Bild: KI-generiert

Religionsfreiheit als Recht jedes Einzelnen kannte der Friede noch nicht [1]. Welche Grundrechte heute in Deutschland gelten, erklärt demokratie.domain-root.de im Artikel Die Grundrechte im Überblick.

Glaubenskrieg oder Machtkampf?

Wie viel Religion in diesen Kriegen steckte, beurteilt die Forschung unterschiedlich. Axel Gotthard sieht im Dreißigjährigen Krieg einen Konfessionskrieg um die Lesarten des Augsburger Religionsfriedens, der im Verlauf entkonfessionalisiert und internationalisiert wurde [1]. Georg Schmidt betont dagegen, es sei vor allem um machtpolitische Interessen gegangen; die Deutung als Strafgericht Gottes ordnet er der Sicht der Zeitgenossen zu [2]. Uneinig sind die beiden Texte auch beim Kriegseintritt Frankreichs: Gotthard lässt die französisch-schwedische Phase 1635 beginnen, Schmidt datiert das Eingreifen Frankreichs auf 1636 [1, 2].

Ähnlich gemischt waren die Motive in Frankreich. Spanien unterstützte die katholische Liga mit Truppen, Heinrich IV. erklärte Spanien 1595 den Krieg und erreichte 1598 im Vertrag von Vervins den Abzug der spanischen Soldaten [6]. In den Niederlanden nennt die World History Encyclopedia Steuererhöhungen und Glaubensverfolgung als gemeinsame Ursachen [8].

  1. Behörde Deutschlands großer Konfessionskrieg (Axel Gotthard). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Deutungen des Dreißigjährigen Krieges. Mythos, Legenden und Einsichten (Georg Schmidt), Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.07.2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Augsburger Religionsfriede. wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Gang der Geschichte: 1555. Bundeskanzleramt der Republik Österreich. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Schmalkaldischer Krieg. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Les guerres de religion. Documents enseignants. Musée virtuel du protestantisme (Fondation pasteur Eugène Bersier). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Das Edikt von Fontainebleau vom 18. Oktober 1685 (Übersetzung Ernst Mengin, 1963). Hugenottenmuseum Berlin. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Tachtigjarige Oorlog (Joshua J. Mark, Übersetzung Theo Poot). World History Encyclopedia. Stand 2022. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Causes of the British Civil Wars. Newcastle University, British Civil Wars Project. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Absolutismus: Idee, Anspruch und Wirklichkeit. wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Studie St. Bartholomew's Day Massacre (Barbara B. Diefendorf), Europe, 1450 to 1789: Encyclopedia of the Early Modern World. Encyclopedia.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Bartholomäusnacht. wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  13. Studie Schmalkaldic War (Edward Bever), Research Starters. EBSCO. Stand 2019. abgerufen am 29.10.2026
  14. Studie Johann Friedrich der Großmütige (Thomas Klein), Neue Deutsche Biographie 10. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1974. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.