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Urartu: das Reich am Vansee

Urartu war ein Königreich im armenischen Hochland mit der Hauptstadt Ṭušpa, dem heutigen Van in der Osttürkei. Schriftliche Quellen belegen es von der Mitte des 9. bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr.; es war der größte Rivale Assyriens. Wann genau es unterging, ist in der Forschung umstritten.

Ein langgestreckter Kalksteinfelsen mit antiken Mauerresten am Ufer eines großen Sees vor schneebedeckten Bergen
Bild: KI-generiert

Urartu war ein Königreich der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. im armenischen Hochland. Seine Hauptstadt Ṭušpa lag in Ostanatolien, an der Stelle des heutigen Van [3]. Für das Neuassyrische Reich war Urartu einer der hartnäckigsten Gegner [3]. Weil die Urartäer in einer Sprache schrieben, die bis heute nur teilweise verstanden wird, stützt sich vieles, was über sie bekannt ist, auch auf Berichte ihrer Feinde [1, 3].

Name und Lage

"Urartu" ist der assyrische Name. Er setzte sich durch, weil die Forschung die assyrischen Quellen zuerst entziffert hat [1]. Die Könige selbst nannten ihr Land "die Bia-Länder", urartäisch Biainili [1]. Zum ersten Mal erscheint der Name als "Uruaṭri" in Texten des assyrischen Königs Salmanassar I., der von 1263 bis 1234 v. Chr. regierte. Damals war die Gegend noch auf mehrere kleine Königreiche verteilt [1].

Das politische und religiöse Zentrum lag am Vansee, die Burg von Ṭušpa ist der heutige Burgfelsen Van Kalesi [1]. Auf seinem Höhepunkt reichte das Reich nach der Darstellung des Projekts eCUT im Westen bis an den Euphrat, im Osten bis an den Urmiasee und den Araxes, im Norden bis an den Sewansee und im Süden bis an Taurus und Zagros [1]. Heute liegt der größte Teil des Gebiets in der Türkei, kleinere Teile in Armenien, Iran und dem Irak [1].

Auch die Bibel kennt den Namen. Nach 1. Mose 6 bis 9 landet die Arche Noahs auf den Bergen Ararat, und "Ararat" ist eine andere Schreibung von "Urartu", die auf die Masoreten des 7. bis 10. Jahrhunderts n. Chr. zurückgeht [1]. Der Große Ararat ist etwa 5165 Meter hoch, als Erster bestieg ihn Friedrich Parrot 1829 [1]. Eine Einführung in das Buch bietet bibel.domain-root.de: Das 1. Buch Mose.

Aufstieg und Könige

Wahrscheinlich entstand das Reich gegen Ende des 10. oder zu Beginn des 9. Jahrhunderts v. Chr., schriftlich belegt ist es von der Mitte des 9. bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. [1]. Als erster bekannter König gilt Arame, der um 860 bis 843 v. Chr. die Stämme und Kleinstaaten der Region Nairi vereinte. Seine Hauptstädte Sugunia und Arzashkun eroberte der Assyrer Salmanassar III. [6].

Mit Sarduri I. begann eine neue Dynastie, er verlegte die Hauptstadt nach Ṭušpa [6]. Sein Sohn Išpuini machte den Gott Ḫaldi zum Haupt der Götter [2, 4]. Er war auch der erste König, der in urartäischer Sprache schreiben ließ, frühere Herrscher nutzten das Akkadische [6]. Išpuini gliederte die Stadt Musasir an, die damit zu einem religiösen Zentrum des Reiches wurde [6]. In der gemeinsamen Regierungszeit mit seinem Sohn Minua wechselte die Selbstbezeichnung des Landes von "Nairi" zu "Biainili" [6]. Die Regierungszeiten sind nur ungefähr bekannt. Die Tabelle folgt der Übersicht des Projekts eCUT [2]:

KönigRegierungszeit (etwa, v. Chr.)
Sarduri I., Sohn des Lutibri840 bis 830 [2]
Išpuini, Sohn Sarduris I.830 bis 810 [2]
Minua (Menua), Sohn Išpuinis820 bis 785/780 [2]
Argišti I., Sohn Minuas785/780 bis 756 [2]
Sarduri II., Sohn Argištis I.756 bis 730 [2]
Rusa I., Sohn Sarduris730 bis 713, nach Salvini [2]
Argišti II., Sohn Rusasab 713, Ende unbekannt [2]

Andere Darstellungen weichen ab. Die World History Encyclopedia setzt Sarduri I. auf etwa 835 bis 825 v. Chr. [4], die englische Wikipedia auf etwa 832 bis 820 v. Chr. im Text und 834 bis 828 v. Chr. in der Infobox [6]. Nach Sarduri II. ist schon die Reihenfolge der Könige unklar: Salvini, Roaf, Kroll und Fuchs ordnen die Könige namens Rusa und Argišti unterschiedlich ein, und ob Angaben wie "Sohn des" eine leibliche Abstammung meinen, ist ebenfalls offen [2]. Insgesamt kennt die Forschung elf urartäische Herrscher aus ihren eigenen Inschriften [2].

Argišti I. und Erebuni

Unter Argišti I. erreichte Urartu den Höhepunkt seiner militärischen Macht [6]. Er gründete 782 v. Chr. die Festung Erebuni [4, 6]. Sie liegt in der Nähe des heutigen Jerewan, der Hauptstadt Armeniens [4]. 776 v. Chr. folgte die Gründung von Argištiḫinili [4].

Wiederaufgebaute Lehmziegelmauern einer Festung mit quadratischen Türmen auf einem Hügel über einer weiten Ebene
Bild: KI-generiert

Sein Vater Minua hatte das Reich bereits stark vergrößert [6]. Auf ihn geht ein rund 80 Kilometer langer, mit Steinen ausgekleideter Kanal zurück, der Wasser aus den Bergen in die Hauptstadt leitete [4]. Ṭušpa selbst lag auf einem Kalksteinfelsen am Ostufer des Sees. Nach einer Schätzung in der World History Encyclopedia könnte die Stadt auf ihrem Höhepunkt bis zu 50.000 Menschen beherbergt haben [4].

Der Gegner Assyrien

In der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. war Urartu der wichtigste Rivale des Neuassyrischen Reiches. Beide stritten um die Gebiete am Euphrat und im Zagros [1]. Der assyrische König Tiglat-Pileser III. besiegte Sarduri II. Wikipedia nennt dafür das Jahr 745 v. Chr. [6]. Die World History Encyclopedia datiert den Feldzug auf etwa 743 v. Chr. und eine Belagerung von Ṭušpa auf 736 v. Chr. [4].

Am bekanntesten ist der achte Feldzug Sargons II., der von 721 bis 705 v. Chr. regierte. Im achten Jahr seiner Herrschaft, 714 v. Chr., zog er in den Zagros, um seinem Vasallen Ullusunu von Mannea zu helfen, und fiel dann in Urartu ein, dessen König Rusa die Mannäer bedrängt hatte [5]. Am Berg Wa'ush schlug er den urartäischen König [7]. Welchen Weg das Heer genau nahm, ist umstritten. Möglicherweise umrundete es den ganzen Urmiasee [5].

Auf dem Rückweg deutete Sargon eine Mondfinsternis als Zeichen, die Stadt Musasir anzugreifen, ein wichtiges Heiligtum des Gottes Ḫaldi [5]. Mit 1000 Soldaten zog er dorthin, während der Großteil des Heeres heimkehrte [5]. Musasir unterstand König Urzana, der sich der assyrischen Oberhoheit verweigert hatte [5]. Für die Urartäer war der Verlust schwer, denn sie verließen sich auf Ḫaldis Schutz [5]. Er ließ die Statue Ḫaldis fortbringen. Als Beute führt sein Bericht unter anderem 6110 Menschen, 380 Esel, 525 Ochsen und 1235 Schafe und Ziegen auf [5]. Nach der englischen Wikipedia nahm sich Rusa I. nach der Niederlage das Leben [6]. Frames Übersetzung von Sargons Bericht schildert seine Verzweiflung, erwähnt einen Suizid aber nicht [5].

Sargon berichtete über den Feldzug in Form eines Briefes an den Gott Assur. Die Tafel liegt heute im Louvre unter der Nummer AO 5372 [5]. Das französische Kulturministerium bezeichnet den Text als Militärbericht und zugleich als Propaganda mit politischen Zielen [7]. Er verrät auch, wie sehr Sargon die Landschaft, die Festungen und die Bauten Urartus bewunderte [1]. Wie Assyrien selbst aufgebaut war, beschreibt der Artikel Assyrien.

Sprache, Schrift und Religion

Die meisten Texte sind in Keilschrift und in urartäischer Sprache geschrieben, einige auf Assyrisch oder zweisprachig. Auf Gefäßen und Tonverschlüssen kommt auch eine Hieroglyphenschrift vor [1]. Das Urartäische hat nur eine bekannte verwandte Sprache, das Hurritische [1, 6]. Über die Herkunft der herrschenden Familie gibt es nur Vermutungen: Paul Zimansky hielt es nach der englischen Wikipedia für möglich, dass sie von Musasir an den Vansee zog [6]. Viele urartäische Quellen sind bis heute nur teilweise verständlich, viele Texte sind zudem nur in Bruchstücken erhalten [3]. Über das verwandte Volk informiert der Artikel Hurriter und das Reich Mitanni.

Archive aus Tontafeln sind kaum erhalten. Die meisten Quellen sind Inschriften in Stein und Fels über Bauten, Feldzüge und Kulthandlungen [1]. Eine digitale Ausgabe dieser Texte ist das Electronic Corpus of Urartian Texts (eCUT) an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Es beruht auf dem Corpus dei testi urartei von Mirjo Salvini, die Projektarbeit endete im Juli 2020 [3].

An der Spitze der Götter stand Ḫaldi, der regierende König hieß "Diener Ḫaldis" [4]. Nach der englischen Wikipedia und der World History Encyclopedia war Ḫaldi keine ursprünglich urartäische Gottheit, sein Haupttempel stand nach der Wikipedia in Musasir [4, 6]. Die Tempel des Gottes hatten quadratische Türme mit verstärkten Ecken [4].

Festungen und Metallhandwerk

Die Urartäer bauten ihre Mauern auf Steinfundamenten und verstärkten sie mit Türmen [4]. Metall wurde in der Region schon seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. verarbeitet. Handwerker fertigten Schmuck aus Bronze und Kupfer, Pferdetrensen, Gürtelschnallen und Kessel [4]. Rusa II. gründete um 685 v. Chr. die Festung Teišebaini [4]. Ihre Reste auf dem Hügel Karmir Blur grub Boris Piotrowski ab 1939 aus [6]. Die Regierung Rusas II. gilt als Zeit des Wohlstands, Die englische Wikipedia gibt dafür 685 bis 645 v. Chr. im Text und 680 bis 639 v. Chr. in der Infobox an [6].

Ein antiker Bronzekessel mit grüner Patina und schlichten Ringgriffen auf einem Steinsockel
Bild: KI-generiert

Das Ende des Reiches

Die letzten datierbaren Quellen stammen aus der Regierungszeit Assurbanipals in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. [1]. Wann Urartu unterging, ist umstritten. Ein Teil der Forschung lässt es kurz nach der Mitte des 7. Jahrhunderts zusammenbrechen, ein anderer Teil noch bis ins frühe oder mittlere 6. Jahrhundert v. Chr. bestehen [1].

Geschwärzte eingestürzte Lehmziegelmauern einer verbrannten Burg auf einem Hügel unter bewölktem Himmel
Bild: KI-generiert

Als mögliche Zerstörer gelten Kimmerier und Skythen. In Teišebaini wurden dreiflügelige Pfeilspitzen skythischer Art gefunden, die Festung brannte zwischen 594 und 590 v. Chr. [4]. Nach Wikipedia nahmen die Meder 590 v. Chr. die Hauptstadt ein, manche Historiker lassen Urartu aber erst durch Kyros den Großen um 547 v. Chr. enden [6]. Die World History Encyclopedia lässt die Meder die Gebiete ab etwa 585 v. Chr. übernehmen [4]. Mehr dazu steht in den Artikeln Die Meder und Das Perserreich.

Nach der englischen Wikipedia verwendet die Inschrift von Behistun, um 522 v. Chr., Armenien und die Armenier gleichbedeutend mit Urartu und den Urartäern [6]. Der alte Name lebte außerdem im Namen der armenischen Provinz Ayrarat weiter [6].

  1. Organisation General information about Urartu. eCUT, Ludwig-Maximilians-Universität München (Oracc). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Urartian rulers and their inscriptions. eCUT, Ludwig-Maximilians-Universität München (Oracc). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Electronic Corpus of Urartian Texts (eCUT): Startseite. eCUT, Ludwig-Maximilians-Universität München (Oracc). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Urartu Civilization (Mark Cartwright). World History Encyclopedia. Stand 08.02.2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Sargon's March: A New Translation (Grant Frame), Expedition Magazine 56/3. Penn Museum. Stand 12.2014. abgerufen am 29.10.2026
  6. Urartu. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde The campaign of 714 BCE against the Urartian Empire (L'Orient cunéiforme). Ministère de la Culture, Frankreich. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.