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Phryger und Lyder: Midas, Krösus und die ersten Münzen

Phryger und Lyder herrschten in der frühen Eisenzeit über große Teile Kleinasiens, der heutigen Türkei. Die Phryger hatten ihre Hauptstadt in Gordion, ihr bekanntester König Midas regierte um 717 bis 709 v. Chr. Die Lyder mit der Hauptstadt Sardes prägten im 7. Jahrhundert v. Chr. die ersten Münzen und verloren ihre Unabhängigkeit um 547 v. Chr. an den Perser Kyros.

Ein riesiger grasbewachsener Grabhügel in der Steppe Zentralanatoliens, dahinter kleinere Hügel unter weitem Abendhimmel
Bild: KI-generiert

Nach dem Zerfall des Hethiterreichs um 1200 v. Chr. entstanden in Kleinasien neue Mächte [3]. Zwei davon kennt man bis heute aus Redewendungen: die Phryger mit ihrem König Midas und die Lyder mit ihrem König Krösus, nach dem man jemanden "reich wie Krösus" nennt. Die Phryger herrschten von Gordion aus über das Innere Anatoliens, die Lyder von Sardes aus über den Westen [1, 4]. Beide Reiche gingen im 6. Jahrhundert v. Chr. im Perserreich auf [2, 4]. Was vorher in der Region geschah, zeigt der Artikel über die Hethiter.

Die Phryger kommen nach Anatolien

Die Phryger waren in Anatolien Zuwanderer. Keramik aus der frühen Eisenzeit, etwa 1200 bis 950 v. Chr., deutet in Gordion auf eine neue Bevölkerung hin, die vielleicht aus Thrakien oder dem Südosten Europas kam [2]. Ihre Sprache war indogermanisch und eng mit dem Griechischen verwandt. In der Bronzezeit hatten in Anatolien dagegen Hethitisch und Luwisch vorgeherrscht [2]. Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. schrieben die Phryger mit einem Alphabet, das dem griechischen sehr nahesteht. Ihre Inschriften reichen bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. [2].

Besiedelt war Gordion schon um 2500 v. Chr. [3]. Seine große Zeit begann in der Eisenzeit nach dem Zerfall des Hethiterreichs [3].

Gordion und seine Brandschicht

Ein Großbrand zerstörte die Zitadelle von Gordion in frühphrygischer Zeit. Unter dem Schutt blieben Gebäude und Gegenstände außergewöhnlich gut erhalten. Rodney Young und sein Team datierten diesen Brand auf etwa 700 v. Chr. [1]. Radiokarbonproben aus einem der Terrassenbauten ergaben dagegen 827 bis 803 v. Chr., und die Ausgräber setzen die Zerstörung vorläufig an das untere Ende dieser Spanne [1]. Danach baute man die Zitadelle früh in der mittelphrygischen Zeit wieder auf, die von etwa 800 bis 540 v. Chr. reicht [1].

Abschnitt in GordionZeitraum (etwa)Prägung
Frühe Eisenzeit1100 bis 900 v. Chr.phrygisch
Frühphrygisch900 bis 800 v. Chr.phrygisch
Mittelphrygisch800 bis 540 v. Chr.phrygisch
Spätphrygisch540 bis 330 v. Chr.phrygisch und persisch
Früher Hellenismus330 bis 260 v. Chr.phrygisch und griechisch
Später Hellenismus260 bis 100 v. Chr.galatisch

Die Tabelle folgt der Zeittafel des Gordion-Projekts am Penn Museum. Die Grenze um 260 v. Chr. ist dort mit Fragezeichen versehen [1]. Die Seite des Projekts zur Eisenzeit setzt die frühe Eisenzeit dagegen auf etwa 1200 bis 950 v. Chr. [2].

König Midas: Herrscher und Sagenfigur

Unter Midas erreichte die Macht der Phryger im späten 8. Jahrhundert v. Chr. ihren Höhepunkt [2]. Die Assyrer nannten ihn "Mita von Muschki". Erst stand er gegen Assyrien auf der Seite späthethitischer Kleinstaaten, dann wurde er Verbündeter des assyrischen Königs Sargon II. [2]. Assyrische Texte belegen ihn mindestens von 717 bis 709 v. Chr. als Herrscher [1]. Die Startseite des Gordion-Projekts nennt für den Sitz des Königs Midas dagegen die Jahre 695 bis 676 v. Chr. [3].

Auch die Griechen kannten Midas. Herodot berichtet, er habe dem Apollon in Delphi einen Thron geweiht, der zu Herodots Zeit noch dort stand. Nach Aristoteles heiratete Midas eine Frau aus der griechischen Stadt Kyme [2]. Spätere Autoren nennen für seinen Tod die Jahre 696 oder 675/674 v. Chr., das Gordion-Projekt hält beide Angaben für unzuverlässig [2]. Strabon schreibt, Midas habe sich beim Einfall der Kimmerier, eines Reitervolks aus dem Norden, das Leben genommen. Auch das gilt als zweifelhaft [2]. Die bekannte Sage vom "goldenen Griff", bei dem alles zu Gold wird, was der König berührt, ist ein späterer griechischer Mythos [3].

Der Midas-Hügel

Bei Gordion stehen zahlreiche Grabhügel, sogenannte Tumuli. Der größte heißt Tumulus MM, nach "Midas Mound". Er ist etwa 53 Meter hoch und damit mehr als doppelt so hoch wie der nächstgrößte Hügel mit 22 Metern [2]. Rodney Young öffnete ihn 1957. Innen lag eine Grabkammer aus Holz von bis zu 6,15 mal 5,10 Metern, die größte in Gordion [2]. Darin standen drei große Bronzekessel und 166 Gefäße aus Bronze, dazu kamen 172 bronzene Gewandnadeln. Gold lag nicht im Grab [2].

Eine dunkle Grabkammer aus mächtigen Wacholderbalken, am Boden stehen drei große Bronzekessel im warmen Lampenlicht
Bild: KI-generiert

Die Wacholderstämme der Kammer wurden nach der Jahrringdatierung um 740 v. Chr. gefällt, genauer 740 v. Chr. mit sieben Jahren Spielraum nach oben und drei nach unten [1]. Damit ist das Grab zu alt für Midas. Wahrscheinlich liegt hier nicht er, vielleicht aber sein Vater Gordios [1, 2].

Die Lyder und ihre Könige

Lydien lag im Westen Kleinasiens im Tal des Hermos. Die lydische Sprache ist aus rund 100 Inschriften bekannt und ähnelt dem Luwischen [4]. Historisch greifbar wird Lydien mit Gyges, der um 680 v. Chr. die Dynastie der Mermnaden begründete [4].

KönigRegierungszeit (etwa)Was über ihn berichtet wird
Gyges680 bis 644 v. Chr.Sieg über die Kimmerier 679, fiel 644 im Kampf gegen sie
Ardys644 bis 625 v. Chr.Eroberung von Priene, Frieden mit Milet
Sadyattes625 bis 600 v. Chr.kaum mehr als ein Name
Alyattes600 bis 560 v. Chr.Eroberung von Smyrna und Gordion, Krieg mit den Medern
Krösus560 bis 547 v. Chr.Unterwerfung der griechischen Küstenstädte, Niederlage gegen Kyros

Alle Daten der Tabelle sind Näherungen nach der Lydien-Übersicht von Jona Lendering [4]. Gyges kontrollierte den Fluss Paktolos und sein Gold. Bei einem zweiten Einfall der Kimmerier 644 v. Chr. wurde Sardes geplündert und Gyges starb [4]. Alyattes stieß bis zum Fluss Halys vor. Dort traf er auf die Meder, und am 28. Mai 585 v. Chr. unterbrach eine Sonnenfinsternis die Schlacht. Danach galt der Halys als Grenze [4]. Die Geschichte dieses Krieges aus Sicht der Gegenseite erzählt der Artikel über die Meder.

Die lydischen Könige ließen sich nördlich von Sardes in Grabhügeln bestatten. Das Gräberfeld heißt Bin Tepe, "tausend Hügel" [7]. Der Hügel des Alyattes misst 355 Meter im Durchmesser und ist mindestens 69 Meter hoch. Herodot beschreibt ihn, Krösus ließ ihn für seinen Vater aufschütten [7].

Die ersten Münzen

Münzen wurden im 7. Jahrhundert v. Chr. erfunden. Die ältesten bestanden aus Elektron, einer Mischung aus Gold und Silber [6]. Lydien hatte dafür das Rohmaterial: Der Paktolos war in der Antike für seinen Goldstaub berühmt, Herodot zählt ihn zu den zwei Sehenswürdigkeiten Lydiens [6]. Wer die erste Münze prägen ließ, ist offen. Mehrere Münzforscher halten Ardys dafür, über die Datierung sind sie sich aber nicht einig [4].

Kleine unregelmäßige Stücke aus hellem Gold und Silber auf einer Steinplatte neben einem Bach mit glitzerndem Sand
Bild: KI-generiert

Elektronmünzen aus dem späten 7. und frühen 6. Jahrhundert v. Chr. enthalten mehr Silber als natürliches Gold. Man hat das Metall also offenbar gezielt gemischt [6]. Neuere Analysen von 2020 zeigen, dass das Gold aus den Bächen bei Sardes fast kein Silber enthält [6]. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. trennte eine Werkstatt außerhalb der Stadtmauer am Paktolos Gold und Silber voneinander. Ausgegraben wurde sie 1968 und 1969 unter Andrew Ramage [6]. Kurz vor der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr., unter Krösus, erschienen getrennte Münzen aus reinem Gold und reinem Silber [6]. Wie das Münzgeld sich danach ausbreitete, erzählt der Artikel zur Geschichte des Geldes.

Krösus und das Orakel

Krösus kam um 560 v. Chr. nach einem Bürgerkrieg gegen seinen Halbbruder Pantaleon auf den Thron [4]. Er unterwarf alle äolischen und ionischen Städte an der Küste außer Milet und ließ in Ephesos das Heiligtum der Artemis neu bauen [4].

Als Kyros um 550 v. Chr. die Herrschaft der Meder beendete, zog Krösus gegen ihn [5]. Zuvor befragte er das Orakel von Delphi. Die Antwort lautete sinngemäß: Wenn er angreife, werde er ein großes Reich zerstören [5]. Die erste Schlacht bei Pteria endete unentschieden. Krösus zog sich zurück und entließ sein Heer, doch Kyros stand bald vor Sardes [5]. Nach Herodot setzte Kyros Kamele gegen die lydischen Pferde ein, die Lyder verloren, und Sardes fiel [5].

Das Ende unter Kyros

Üblich ist die Jahreszahl 547 v. Chr. für den Fall von Sardes. Sie beruht auf einer babylonischen Chronik, deren Text an der entscheidenden Stelle beschädigt ist. Die meisten Forscher glauben heute, dass sie gar nicht Lydien meint [4, 5]. Auch über das Schicksal des Krösus gibt es drei Fassungen. Die Chronik spricht nach einer Lesart von seinem Tod. Der Dichter Bakchylides lässt ihn von Apollon zu den Hyperboreern im Norden entrückt werden. Herodot erzählt, Kyros habe ihn verschont und zum Berater gemacht [4, 5].

Ruinen einer antiken Stadt über einem grünen Flusstal in Westanatolien mit Säulenresten und steilem Burgberg
Bild: KI-generiert

Auch Gordion geriet in die Kämpfe. Spätestens 585 v. Chr. stand das phrygische Gebiet östlich des Halys unter medischer Kontrolle, Gordion selbst in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. unter lydischer [2]. In den 540er Jahren v. Chr. brannte die Festung Küçük Höyük in Gordion nach einer Belagerung nieder, die mit der persischen Eroberung Lydiens in Verbindung gebracht wird. Hunderte Pfeilspitzen und die Belagerungsrampe der Perser sind erhalten [2]. Wie das Reich der Perser danach aufgebaut war, beschreibt der Artikel zum Perserreich.

Was nach den Königen blieb

Im Winter 334/333 v. Chr. kam Alexander der Große nach Gordion. Er durchschlug dort nach der Überlieferung den Gordischen Knoten und erfüllte so die Weissagung, er werde über Asien herrschen [3]. Von 277 bis 189 v. Chr. siedelten in der Gegend Galater, die aus Thrakien gekommen waren. Im Jahr 189 v. Chr. verließen die Bewohner Gordion, als ein römisches Strafheer unter dem Konsul Manlius Vulso nach Galatien zog [3]. Gordion gehört heute zum Welterbe der UNESCO [3].

Sardes blieb eine wichtige Stadt. Im letzten Buch der Bibel ist sie Sitz einer der sieben Gemeinden, an die der Seher Johannes schreibt: "Und dem Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe" [8]. Mehr dazu steht auf bibel.domain-root.de im Beitrag Die Offenbarung des Johannes.

  1. Organisation Chronology. Gordion Archaeological Project, Penn Museum, University of Pennsylvania. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Iron Age. Gordion Archaeological Project, Penn Museum, University of Pennsylvania. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Gordion Archaeological Project. Penn Museum, University of Pennsylvania. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Jona Lendering: Lydia. Livius.org. Stand 13.08.2020. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Jona Lendering: Croesus. Livius.org. Stand 24.09.2020. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Crawford H. Greenewalt, Jr., Nicholas Cahill: Gold and Silver Refining at Sardis (The Lydians and their World). Archaeological Exploration of Sardis, Harvard University. Stand 2010. abgerufen am 29.10.2026
  7. Studie Jona Lendering: Bin Tepe. Livius.org. Stand 06.08.2020. abgerufen am 29.10.2026
  8. Offenbarung 3 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.