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Das Alte Ägypten: dreitausend Jahre Pharaonenreich am Nil

Das Alte Ägypten war ein Königreich am Nil, das um 3000 v. Chr. aus Ober- und Unterägypten entstand. Die Forschung gliedert seine Geschichte in Altes, Mittleres und Neues Reich, getrennt durch Zwischenzeiten, gefolgt von Spätzeit und Ptolemäerherrschaft. Mit dem Tod Kleopatras VII. wurde Ägypten 30 v. Chr. römische Provinz.

Der Nil im Abendlicht mit einem Holzsegelboot, grünen Feldern, Dattelpalmen und Wüstenfelsen im Hintergrund
Bild: KI-generiert

Rund drei Jahrtausende lang regierten Könige am Nil, die wir heute Pharaonen nennen. Das Wort geht auf das ägyptische "Per-aa" zurück, das "Großes Haus" bedeutet und ursprünglich den Palast bezeichnete [1]. Ihre Kunst folgte fast drei Jahrtausende lang weitgehend denselben Stilregeln [14]. Wie Fachleute das Land heute erforschen, beschreibt die Seite Ägyptologie.

Die Einigung des Landes

Um 3000 v. Chr. sollen Unterägypten, also das Nildelta, und Oberägypten, das Niltal im Süden, zu einem Staat vereint worden sein [2]. Die Überlieferung schreibt das einem König Menes zu. Die Forschung setzt ihn heute mit dem historisch belegten König Aha gleich, dessen Grab in Abydos liegt [2]. Mit dieser Phase beginnt die übliche Zählung der Dynastien. In derselben Zeit entstanden die Hieroglyphenschrift sowie Kronen und Zepter, die bis zum Ende der Pharaonenzeit als Zeichen der Königsmacht dienten [2].

Der König trug den Titel König von Ober- und Unterägypten, die Doppelkrone stand für die Herrschaft über beide Landesteile [1]. Seine wichtigste Aufgabe war es, die Maat zu sichern, die Ordnung des Landes. Nach ägyptischer Vorstellung konnte nur er mit den Göttern in Verbindung treten [1].

Die großen Epochen

Die Ägyptologie teilt die Geschichte in Reiche und Zwischenzeiten ein. In den Reichen regierte ein König über das ganze Land, in den Zwischenzeiten zerfiel die Macht. Die Jahreszahlen schwanken je nach Quelle um einige Jahrzehnte.

EpocheZeit (ungefähr)Kennzeichen
Reichseinigungum 3000 v. Chr.Beginn der Dynastien, erste Hieroglyphen
Altes Reich2707 bis 2216 v. Chr.Hauptstadt Memphis, erste Pyramiden
Erste Zwischenzeit2216 bis 2025 v. Chr.Zerfall der Zentralmacht
Mittleres Reich2022 bis 1750 v. Chr.erneute Einigung
Neues Reich1550 bis 1070 v. Chr.Ausdehnung bis zum Euphrat
Spätzeit664 bis 332 v. Chr.Herrscher aus Libyen, Nubien und Persien
Ptolemäerzeit332 bis 30 v. Chr.griechischsprachige Dynastie in Alexandria
Römische und byzantinische Zeit30 v. Chr. bis 642 n. Chr.Provinz des Römischen Reiches

Die Tabelle folgt den Epochenseiten des Münsteraner Instituts [3, 4, 5, 6]. Andere Angaben sind ebenfalls gebräuchlich: Die Übersichtsseite desselben Instituts nennt im Fließtext für das Alte Reich etwa 2600 bis 2200 und für das Mittlere Reich etwa 2137 bis 1781 v. Chr. [3]. Planet Wissen datiert das Alte Reich auf etwa 2707 bis 2170, das Mittlere Reich auf etwa 2060 bis 1785 und das Neue Reich auf etwa 1570 bis 1075 v. Chr. [7].

Das Alte Reich und die Pyramiden

Hauptstadt und Königssitz des Alten Reiches war Memphis [4]. Die bekanntesten Könige gehören zur 3. und 4. Dynastie: Djoser, Snofru, Cheops, Chephren und Mykerinos. In Erinnerung blieben sie vor allem durch ihre Bauten, die ersten Pyramiden [4]. Djoser ließ in Sakkara die Stufenpyramide errichten, seine Nachfolger bauten die Pyramiden von Gizeh [7]. Gräber hoher Beamter zeigen in Bildern, wie die Oberschicht dieser Zeit lebte [4]. Die Stufenpyramide entwickelte sich aus der Mastaba, einem flachen, rechteckigen Grabbau, der für hochrangige Privatleute die übliche Grabform blieb. Später ließ Cheops in Gizeh seine Pyramide bauen, das einzige erhaltene Weltwunder der Antike [16]. Bis zum Ende des Mittleren Reiches wurden Könige in Pyramiden bestattet. Im Neuen Reich wählten Könige und Privatleute tiefe Felsgräber, die Grabräuber schwerer erreichten. Im Tal der Könige bei Theben fanden Archäologen mehr als 60 Königsgräber, darunter 1922 das fast unversehrte Grab Tutanchamuns [16]. Maße und Bauweise der Pyramiden erklärt die Seite Die Pyramiden von Gizeh.

Drei große Pyramiden aus Kalkstein in der Wüste am frühen Morgen mit langen weichen Schatten
Bild: KI-generiert

Gegen Ende verlor das Königtum an Macht. Unter Pepi II., der mehr als 60 Jahre regierte, wurden die Eliten in den Provinzen immer unabhängiger, bis die Einheit des Staates zerbrach [4]. Planet Wissen nennt außerdem eine Dürre um 2250 v. Chr. als mögliche Ursache für den Niedergang [7].

Mittleres Reich und Neues Reich

Nach der Ersten Zwischenzeit einte Mentuhotep nach Planet Wissen um 2040 v. Chr. das Land erneut, Theben wurde Hauptstadt [7]. Sesostris III. führte Feldzüge nach Nubien. Machtkämpfe im Inneren schwächten das Mittlere Reich später wieder [7]. In der Zeit danach herrschten die Hyksos über Ägypten, Fremde, die Pferde und Streitwagen mitbrachten. Erst nach ihrer Vertreibung begann das Neue Reich [7].

Im Neuen Reich dehnte Ägypten seine Macht weit aus. Nubien wurde als tributpflichtige Kolonie verwaltet, Feldzüge nach Vorderasien reichten bis an den Euphrat [5]. Die Königin Hatschepsut regierte etwa 22 Jahre [7]. Um 1350 v. Chr. nannte sich König Amenophis IV. in Echnaton um, wandte sich von den überlieferten Göttern ab und erklärte die Sonnenscheibe Aton zum einzigen Gott. Als neue Hauptstadt ließ er Amarna bauen [5]. Seine Nachfolger kehrten zu den alten Zentren zurück und stellten die alten Kulte wieder her [5].

Unter Ramses II. aus der 19. Dynastie kämpfte Ägypten bei Kadesch gegen die Hethiter [5]. Im 13. Jahrhundert v. Chr. schlossen er und der hethitische Großkönig Hattušili III. einen Friedensvertrag, nach der Wikipedia um 1259 [8], nach dem Center for Online Judaic Studies im Jahr 1258 v. Chr. [17]. Der ägyptische Text steht in Hieroglyphen auf einer Stele im Tempel von Karnak, eine Fassung in akkadischer Keilschrift wurde in der hethitischen Hauptstadt Hattuša gefunden [8, 17]. Die Münsteraner Ägyptologen nennen ihn den ersten paritätisch ausgehandelten Friedensvertrag der Welt [5]. Mehr zum König steht auf der Seite Ramses II., mehr zu den Nachbarn im Osten unter Der Alte Orient. Wirtschaftliche und soziale Probleme und Bedrohungen an den Grenzen ließen die Zentralmacht am Ende des Neuen Reiches zerfallen [5].

Der Nil und der Kalender

Der Nil war die nahezu einzige Wasserquelle des Landes [15]. Oberägypten umfasste das Niltal etwa vom heutigen Assuan bis Memphis, Unterägypten im Norden das Delta, in dem sich der Fluss in mehrere Arme teilt und ins Mittelmeer mündet. Jenseits des Tals lagen Wüsten mit einzelnen Oasen und Steinbrüchen [15]. Die Ägypter nannten ihr Land Kemet, auch Ta-ui, "die zwei Länder". Verwaltet wurde es in 42 Gauen, 22 in Oberägypten und 20 in Unterägypten [15].

Überschwemmte Felder an einem breiten Fluss, Lehmziegelhäuser auf einem Damm und Palmen, die sich im Wasser spiegeln
Bild: KI-generiert

Das Leben richtete sich nach dem Fluss. Der Alltagskalender war ein Sonnenkalender mit zwölf Monaten zu je 30 Tagen. Fünf Zusatztage, die Epagomenen, ergänzten das Jahr auf die Länge des Sonnenjahres [9]. Das Jahr hatte drei Jahreszeiten, die an der Nilschwemme hingen: Achet, die Überschwemmungszeit ab Juni, mit der das Jahr begann, dann Peret, die Zeit der Aussaat ab Oktober, und Schemu, die Erntezeit ab Februar [9].

Zum Neujahrstag und zu Beginn jeder Jahreszeit feierte das Volk Feste. Die Tempelfeste richteten sich dagegen nach dem Mondkalender, etwa das Schöne Fest vom Wüstental für den Gott Amun [9].

Schrift und Sprache

Die Ägypter nannten ihre Hieroglyphen "Schrift der Gottesworte" [10]. Sie verwendeten sie vor allem für Inschriften an Tempelwänden, auf Stelen und Statuen. Die Zeichen gehören zu drei Gruppen: Lautzeichen für einen, zwei oder drei Konsonanten, Wortzeichen für ein ganzes Wort und Deutzeichen am Wortende, die die Bedeutung eingrenzen [10]. Für den Alltag gab es eine schnellere Form. Die hieratische Schrift ist eine kursive Form der Hieroglyphen und wurde meist mit Tinte auf Papyrus, Leder, Holz oder Tonscherben geschrieben [3]. Später kamen das Demotische und schließlich das Koptische hinzu, das mit griechischen Buchstaben und einigen demotischen Zusatzzeichen schrieb [3].

Entziffert wurden die Hieroglyphen erst in der Neuzeit. 1799 fanden französische Soldaten in der Hafenstadt Rosette eine Steinplatte mit einem Priesterbeschluss aus dem Jahr 196 v. Chr. [11, 12]. Derselbe Text steht darauf in Hieroglyphen, in demotischer Schrift und auf Griechisch [11]. Mit dieser Vorlage legte Jean-François Champollion 1822 seine Entzifferung vor [11, 12]. Heute liegt der Stein im British Museum in London [11, 12]. Wie die Schrift funktioniert, zeigt die Seite Hieroglyphen.

Religion und Totenkult

Die Religion prägte fast alle Lebensbereiche. Mit den Göttern erklärten sich die Menschen Naturerscheinungen und versuchten, sie zu beeinflussen [3]. In den Tempeln fanden täglich Rituale statt, die der Öffentlichkeit verborgen blieben. Das Volk nahm an den Festen teil [3].

Eine antike Tempelhalle aus Sandstein mit massiven Säulen, durch die Decke fallen Sonnenstrahlen auf den leeren Boden
Bild: KI-generiert

Eng damit verbunden war der Totenkult. Die Mumifizierung sollte es dem Ba, einem Teil der Seele, ermöglichen, nach dem Tod in den Körper zurückzukehren [13]. Priester entfernten alle Organe bis auf das Herz, das als Sitz von Denken und Fühlen galt, und wickelten den Körper in harzgetränkte Leinenbinden. Amulette sollten den Körper schützen [13]. In Bildern und Reliefs folgten die Künstler festen Regeln: Kopf und Beine im Profil, Auge und Schultern von vorn, wichtige Personen größer als andere [14]. Mehr dazu steht auf der Seite Kunst der Antike.

Fremdherrschaft und Ende

In der Spätzeit regierten Pharaonen fremder Herkunft aus Libyen, Nubien und Persien [3]. 332 v. Chr. kam Ägypten unter Alexander den Großen, nach der Teilung seines Reiches fiel es an die Dynastie der Ptolemäer [3, 6]. Sie herrschten als hellenistische Pharaonen. Zentrum der griechischsprachigen Bevölkerung war das neu gegründete Alexandria, Amtssprachen waren Griechisch und Demotisch [6]. Nach den Verbindungen Kleopatras VII. mit Caesar und später mit Antonius endete die Dynastie [6]. Mit Kleopatras Tod 30 v. Chr. wurde Ägypten römische Provinz [3].

  1. Organisation Der Pharao und seine Macht. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Reichseinigung. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Das Alte Ägypten: ein Überblick von Studierenden für Studierende. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Altes Reich (ca. 2707 bis 2216 v. Chr.). Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Neues Reich (1550 bis 1070 v. Chr.). Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Ptolemäerherrschaft (332 bis 30 v. Chr.). Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Pharaonen. WDR, Planet Wissen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Ägyptisch-Hethitischer Friedensvertrag. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Kalender und Festtage. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Hieroglyphen. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Der Stein von Rosette. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Organisation Der Stein von Rosette steht im Britischen Museum (Lene Kemling). SWR/WDR, Planet Wissen. Stand 09.12.2020. abgerufen am 29.10.2026
  13. Organisation Mumifizierung. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  14. Altägyptische Kunst. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  15. Organisation Geographie. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  16. Organisation Königs- und Privatgräber. Universität Münster, Institut für Ägyptologie und Koptologie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  17. Organisation Ramesses the Great and the Hittite Treaty, 1258 BCE. Center for Online Judaic Studies. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.