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Megalithkultur: Großsteingräber, Tempel und Steinkreise

Megalithanlagen sind Bauten aus großen, oft tonnenschweren Steinen. In Europa entstanden viele davon in der Jungsteinzeit, etwa die Tempel von Ġgantija auf Gozo um 3600 v. Chr., Newgrange in Irland um 3200 v. Chr. und der Steinkreis von Stonehenge um 2500 v. Chr. In der Altmark entstanden die Großsteingräber der Trichterbechergemeinschaften ab der Mitte des 4. Jahrtausends bis um 3100 v. Chr.

Ein Steinkreis aus großen grauen Steinen mit Decksteinen auf einer Graslandschaft bei Sonnenaufgang
Bild: KI-generiert

Das Wort Megalith kommt aus dem Griechischen und bedeutet großer Stein [10]. Gemeint sind Gräber, Tempel, Steinkreise und Steinreihen aus mächtigen Blöcken, die Menschen über weite Strecken bewegten und aufrichteten. Solche Anlagen gibt es an vielen Orten der Welt. In Europa stammen die bekanntesten aus der Jungsteinzeit, als die Menschen schon sesshaft als Bauern lebten.

Die Tempel von Malta

Auf Malta und der Nachbarinsel Gozo stehen Tempel aus der Jungsteinzeit [6]. Die Anlage von Ġgantija auf Gozo entstand in drei großen Bauphasen. Der Südtempel, der als erster gebaut wurde, stammt aus der Zeit um 3600 v. Chr. und besteht aus fünf Kammern [6]. Etwa 400 Jahre später kam ein kleinerer Nordtempel mit vier Apsiden hinzu, noch später ein großer halbrunder Vorplatz [6]. Damit ist der Südtempel rund 5.600 Jahre alt.

Die Ruinen eines Tempels aus großen Kalksteinblöcken mit gebogenen Mauern auf einer Mittelmeerinsel im Abendlicht
Bild: KI-generiert

Die UNESCO nahm Ġgantija 1980 in die Welterbeliste auf. 1992 wurde der Eintrag in "Megalithische Tempel von Malta" umbenannt und um Ħaġar Qim, Mnajdra, Ħal Tarxien, Skorba und Ta' Ħaġrat erweitert [6]. Die Tempel hatten einst Dächer [6]. Tierreliefs in Tarxien deuten nach Heritage Malta auf die Bedeutung der Landwirtschaft und vielleicht auf gemeinsame Riten hin. Die Behörde geht von einer rituellen oder zeremoniellen Nutzung aus [6]. Eine Sage auf Gozo schrieb die Tempel wegen der Größe ihrer Steine einer Riesin zu [6].

Newgrange und das Licht der Wintersonnenwende

Im Tal des Flusses Boyne in Irland liegen die Ganggräber von Newgrange, Knowth und Dowth. Sie entstanden um 3200 v. Chr. [4]. Die Landschaft Brú na Bóinne besitzt nach Angaben der irischen Denkmalverwaltung die größte Sammlung megalithischer Kunst in Westeuropa [4].

Berühmt ist Newgrange für eine kleine Öffnung über dem Eingang, die sogenannte Dachbox. Am Morgen der Wintersonnenwende am 21. Dezember und an einigen Tagen davor und danach fällt bei Sonnenaufgang ein Lichtstrahl durch diese Öffnung bis in die Grabkammer [5]. Für die jungsteinzeitlichen Menschen im Boyne-Tal markierte die Wintersonnenwende nach Darstellung von World Heritage Ireland den Beginn des neuen Jahres und war ein Zeichen für die Wiedergeburt der Natur [5]. Besuchen kann man Newgrange und Knowth nur über das Besucherzentrum Brú na Bóinne [4].

Stonehenge: ein Bauwerk über Jahrhunderte

Stonehenge in Südengland entstand in mehreren Phasen. Schon in der Mittelsteinzeit, zwischen 8500 und 7000 v. Chr., standen an dieser Stelle Gruben, von denen drei offenbar große Kiefernpfosten trugen. Um 3500 v. Chr. legten Menschen in der Umgebung lange Erdwerke und Langhügel an [1]. Um 3000 v. Chr. entstand zuerst ein runder Graben mit Wällen innen und außen, rund 100 Meter im Durchmesser und mit zwei Eingängen, ein frühes Henge-Monument [1]. Um 2500 v. Chr. stellten die Erbauer im Inneren die großen Steine auf: Sarsensteine in einem äußeren Kreis und einem inneren Hufeisen, dazwischen Blausteine in einem doppelten Bogen. 200 bis 300 Jahre später wurden die Blausteine neu angeordnet und die Avenue zum Fluss Avon angelegt [1].

Die Anlage war auch ein Bestattungsplatz. Innerhalb des Walls liegen die 56 sogenannten Aubrey-Löcher. Gefunden wurden etwa 64 Brandbestattungen, ursprünglich waren es vielleicht bis zu 150 Menschen. English Heritage nennt Stonehenge deshalb den größten spätjungsteinzeitlichen Friedhof der Britischen Inseln [1]. In vier Sarsensteine wurden zwischen etwa 1750 und 1500 v. Chr. Bilder von Beilklingen und einigen Dolchen geritzt [1].

Die meisten Fachleute sehen in Stonehenge einen Tempel, der nach der Sonne ausgerichtet ist. Die Ausrichtung auf die Sonnenwenden ist in den Bau selbst eingeschrieben [3]. Stonehenge ist nach English Heritage der einzige erhaltene Steinkreis mit Decksteinen auf der Welt [3]. Zusammen mit Avebury bildet es eine Welterbestätte. 1918 schenkte Cecil Chubb die Anlage dem britischen Staat [1].

Wie die Steine bewegt wurden

Die Blausteine von Stonehenge stammen aus den Preseli-Bergen im Südwesten von Wales und wiegen je 2 bis 5 Tonnen [2]. Die viel größeren Sarsensteine kommen aus den Marlborough Downs, etwa 32 Kilometer entfernt. Neuere Untersuchungen weisen auf das Gebiet West Woods südwestlich von Marlborough. Im Durchschnitt wiegt ein Sarsenstein 25 Tonnen, der Fersenstein (Heel Stone) etwa 30 Tonnen [2].

Ein großer Sandsteinblock auf einem Holzschlitten mit Seilen aus Pflanzenfasern und Geweihhacken daneben
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Zum Aufrichten gruben die Erbauer ein großes Loch mit einer schrägen Seite und sicherten die Rückwand mit Holzpfählen. Mit Seilen aus Pflanzenfasern und wahrscheinlich einem hölzernen A-Gestell zogen sie den Stein in die Senkrechte, dann füllten sie das Loch mit Schutt auf [2]. Die Decksteine hoben sie vermutlich über Holzplattformen an. Als Werkzeuge nennt English Heritage Schlagsteine, Seile, Hacken aus Geweih und Holz [2]. Steher und Decksteine verbanden sie mit Zapfen und Zapfenlöchern wie bei Holzbauten, die Decksteine untereinander mit Nut und Feder [2]. Für Transport, Bearbeitung und Aufbau brauchte es Hunderte Menschen, dazu andere, die sie mit Essen versorgten [2].

Die Steinreihen von Carnac

Im Süden der Bretagne stehen in der Gegend von Carnac rund 3.000 Menhire, aufgerichtete Steine, in 10 bis 13 Reihen auf einer Länge von 4 Kilometern. Sie bilden vier Hauptgruppen: Le Ménec, Kermario, Kerlescan und Petit Ménec [7]. Nach Angaben des bretonischen Tourismusverbands prägten Gemeinschaften der Jungsteinzeit diese Landschaft vor mehr als 7.000 Jahren [7].

Die "Megalithen von Carnac und die Ufer des Morbihan" sind die erste Welterbestätte der Bretagne. Zu ihnen gehören 550 Fundstellen im Morbihan [7]. Eine davon ist der zerbrochene Menhir Er Grah in Locmariaquer. Er war ursprünglich etwa 20 Meter hoch, wog rund 300 Tonnen und liegt heute in vier Teilen am Boden [7].

Großsteingräber in der Altmark

Auch in Norddeutschland gibt es zahlreiche Megalithgräber, im Volksmund Hünengräber genannt [8, 10]. Der Name geht auf die frühere Vorstellung zurück, nur Hünen, also Riesen, könnten die tonnenschweren Findlinge aufgestellt haben [10]. In der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts standen einst über 200 Großsteingräber. Erhalten sind etwa 40 im Altmarkkreis Salzwedel und acht im Landkreis Stendal [8]. Viele Anlagen wurden abgetragen und zerkleinert, weil man die Steine als Baumaterial für Straßen und Häuser brauchte [8].

Ein Großsteingrab aus grauen Findlingen mit flachem Deckstein am Waldrand im Herbstlicht
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Gebaut haben sie die Gemeinschaften der Trichterbecherkultur. Sie siedelten ab etwa 3700 v. Chr. im Norden des heutigen Sachsen-Anhalts. Die ersten Gräber entstanden ab etwa der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr., die letzten um 3100 v. Chr. [8]. Ausgrabungen in Lüdelsen belegen Bau- und Umbauphasen zwischen 3700 und 2400 v. Chr. Das größte Grab der Altmark liegt bei Drebenstedt und ist rund 44 Meter lang, den größten Deckstein hat mit 4,5 Metern das Grab bei Stöckheim [8].

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und der Altmarkkreis Salzwedel entwickelten Infotafeln für fünf gut erhaltene Gräber in Stöckheim, Drebenstedt, Diesdorf, Bornsen und Molmke. Den Aufbau übernahm der Verein Junge Archäologen der Altmark [8]. Wer die Gräber besuchen und in der Gegend übernachten will, findet Plätze im Artikel Camping in Sachsen-Anhalt.

Dolmen in Korea

Megalithgräber gibt es auch in Ostasien. Auf der koreanischen Halbinsel stehen sehr viele Dolmen. Die Fundstätten Gochang, Hwasun und Ganghwa mit zusammen über 1.000 Dolmen sind seit 2000 Welterbe der UNESCO [9]. Die Dolmen von Gochang werden in das 7. Jahrhundert v. Chr. datiert [9]. Man unterscheidet einen nördlichen Typ, bei dem vier Wandsteine einen Deckstein tragen, und einen südlichen Typ mit unterirdischer Bestattung und Stützsteinen unter dem Deckstein [9]. Auf Koreanisch heißen sie goindol [9].

Mehrere kleine tischförmige Dolmen aus grauem Stein auf einem grünen Hang über Reisterrassen
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Wozu die Anlagen dienten

Die Anlagen entstanden über Jahrtausende in verschiedenen Gegenden und dienten verschiedenen Zwecken. In Stonehenge und in den Gräbern Norddeutschlands wurden Tote bestattet [1, 8]. Für Stonehenge und Newgrange ist eine Ausrichtung auf die Sonne belegt [3, 5]. Die Tempel auf Malta hält Heritage Malta für Orte von Ritualen und Zeremonien [6]. Nach English Heritage gehört Stonehenge zu mehreren zeremoniellen Anlagen seiner Zeit, an denen die Menschen ihre Ahnen ehrten und den Kalender bestimmten [3].

AnlageLandBauzeit
Landschaft von Carnac (jungsteinzeitlich geprägt)Frankreichvor mehr als 7.000 Jahren [7]
Großsteingräber der AltmarkDeutschlandMitte des 4. Jahrtausends bis um 3100 v. Chr. [8]
Ġgantija, SüdtempelMaltaum 3600 v. Chr. [6]
NewgrangeIrlandum 3200 v. Chr. [4]
Stonehenge, GrabenEnglandum 3000 v. Chr. [1]
Stonehenge, SteinkreisEnglandum 2500 v. Chr. [1]
Dolmen von Gochang, Hwasun und GanghwaKoreaab dem 7. Jahrhundert v. Chr. [9]

Die Menschen, die diese Anlagen bauten, lebten bereits als Bauern. Wie es dazu kam, erklärt Die Neolithische Revolution. Wie die ersten Metalle in Gebrauch kamen, zeigt Die Kupfersteinzeit, die Epoche danach Die Bronzezeit. Wie sich Glaube und Kult entwickelten, beschreibt Religionen in der Geschichte.

  1. Organisation History of Stonehenge. English Heritage. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Building Stonehenge. English Heritage. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Significance of Stonehenge. English Heritage. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Brú na Bóinne Visitor Centre: Newgrange, Knowth and Dowth. Office of Public Works, Heritage Ireland. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Brú na Bóinne: Historical background, Winter Solstice. World Heritage Ireland (Department of Housing, Local Government and Heritage). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde A Giant Anniversary for UNESCO listed Temples. Heritage Malta. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Carnac on the UNESCO World Heritage List. Brittany Tourism (Comité régional du tourisme Bretagne). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Aufstellung neuer Informationsschilder an Großsteingräbern in der Altmark. Megalithic Routes e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Gochang, Hwasun and Ganghwa Dolmen Sites. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Albersdorfer Großsteingräber (Megalithanlagen in und um Albersdorf). KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital (Landschaftsverband Rheinland). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.