Antike und AltertumRatgeber
Babylonien: von Hammurabi bis Nebukadnezar II.
Babylonien war die Landschaft am Unterlauf von Euphrat und Tigris zwischen dem heutigen Bagdad und dem Persischen Golf, mit der Stadt Babylon als Mittelpunkt. Zwei Blütezeiten ragen heraus: das Altbabylonische Reich unter Hammurabi ab 1792 v. Chr. und das Neubabylonische Reich unter Nebukadnezar II. von 605 bis 562 v. Chr. 539 v. Chr. eroberte der Perserkönig Kyros II. das Land.

Babylonien hieß die Landschaft am Unterlauf von Euphrat und Tigris, zwischen dem heutigen Bagdad und dem Persischen Golf [1]. Ihr kultureller Mittelpunkt war Babylon, eine Stadt am Euphrat etwa 90 Kilometer südlich von Bagdad im heutigen Irak [1, 2]. Der akkadische Name Bāb-ilim wird oft mit "Tor des Gottes" übersetzt, doch diese Deutung könnte eine Volksetymologie sein [2]. Die Assyrer nannten das Land Karduniaš [1].
Babylonien war ein Machtzentrum im Alten Orient, bildete aber kein durchgehendes Reich. Fremde Dynastien kamen und gingen, und zeitweise herrschten die Nachbarn im Norden über das Land.
Die Epochen im Überblick
Die Geschichte Babyloniens lässt sich grob in fünf Abschnitte teilen. Die Jahreszahlen der frühen Zeit schwanken je nach Chronologie um mehrere Jahrzehnte. Wo zwei Zahlen stehen, gehört die erste zur mittleren und die zweite zur kurzen Chronologie; einzelne Jahre wie 1792 für Hammurabi folgen der mittleren [1, 12].
| Zeit (v. Chr.) | Abschnitt | Wichtige Ereignisse |
|---|---|---|
| ab 1894 oder 1830 bis 1595 oder 1531 (mittlere oder kurze Chronologie) | Altbabylonisches Reich | Hammurabi, Eroberung durch die Hethiter |
| danach rund 400 Jahre | Kassitenherrschaft | Babylonien als eine der vier führenden Mächte |
| ab 1155 | Elamer, Dynastie von Isin | Stele Hammurabis nach Susa, Nebukadnezar I. |
| bis 626 | assyrische Vorherrschaft | Zerstörung Babylons 689, Belagerung bis 648 |
| 626 bis 539 | Neubabylonisches Reich | Fall Ninives 612, Nebukadnezar II., Exil |
Das Altbabylonische Reich und Hammurabi
Die erste babylonische Dynastie begründete Sumu-abum aus dem Volk der Amurriter. Sein Herrschaftsbeginn wird nach der mittleren Chronologie auf 1894, nach der kurzen auf 1830 v. Chr. datiert [1]. Schon unter seinem Nachfolger Sumulael wurde die Stadtmauer Imgur-Enlil fertiggestellt [1]. Groß wurde das Reich unter Hammurabi, dem sechsten König der Dynastie. Er kam nach der mittleren Chronologie 1792 v. Chr. auf den Thron und regierte 43 Jahre [1]. Der Louvre datiert seine Regierung ebenfalls auf etwa 1792 bis 1750 v. Chr. [3].

Hammurabi verbündete sich zunächst mit Larsa und Mari gegen Elam [1]. Später eroberte er Larsa, Mari und Eschnunna und herrschte auch über Assur [1]. Die diplomatischen Tontafeln aus dieser Zeit stammen aus Mari, wo seit 1933 über 20.000 Tontafeln ausgegraben wurden [9]. Berühmt ist Hammurabi für seine Rechtssammlung mit 282 Paragrafen, die der Artikel zum Codex Hammurabi genauer vorstellt [1].
Das Altbabylonische Reich endete mit einem Überfall aus Kleinasien. Der Hethiterkönig Muršili I. nahm Babylon ein, nach der mittleren Chronologie 1595, nach der kurzen 1531 v. Chr. [1, 12]. Mehr über dieses Volk steht im Artikel über die Hethiter.
Kassiten, Elamer und die zweite Dynastie von Isin
Nach den Hethitern übernahmen die Kassiten die Macht. Ihre Herrschaft dauerte rund 400 Jahre [1]. Im 15. Jahrhundert v. Chr. zählte Babylonien zu den vier führenden Mächten seiner Zeit [1].
1155 v. Chr. eroberten die Elamer die Stadt und brachten die Gesetzesstele Hammurabis nach Susa [1, 13]. Danach endete die Herrschaft der Kassiten, und eine einheimische Dynastie aus Isin kam an die Macht [1]. Ihr König Nebukadnezar I. besiegte die Elamer und zerstörte Susa [1]. Das Reich im Südwesten Irans stellt der Artikel über Elam vor.
Unter assyrischer Herrschaft
Später eroberte Assyrien Babylon [1]. Die Stadt lehnte sich mehrfach gegen die assyrischen Könige auf. 689 v. Chr. ließ Sanherib Babylon zerstören [1]. 652 v. Chr. begann ein Krieg zwischen Assurbanipal und seinem Bruder Šamaš-šumu-ukin, der in Babylon regierte [7]. Nach zwei Jahren Belagerung fiel die Stadt 648 v. Chr. an Assurbanipal [1].
Wie Assyrien zum Großreich wurde und warum es so schnell zusammenbrach, beschreibt der Artikel über Assyrien.
Das Neubabylonische Reich
626 v. Chr. bestieg der General Nabopolassar den Thron in Babylon und verbündete sich mit den Medern [1]. Gemeinsam nahmen sie 612 v. Chr. nach dreimonatiger Belagerung Ninive ein, die Hauptstadt Assyriens [1]. Das assyrische Reich wurde danach unter Babyloniern, Medern und Ägyptern aufgeteilt [7].
Nabopolassars Sohn Nebukadnezar II. regierte von 605 bis 562 v. Chr. [4]. Noch 605 v. Chr. erlitten Ägypten und die letzten assyrischen Truppen bei Karkemisch eine schwere Niederlage [4]. 597 v. Chr. nahm Nebukadnezar Jerusalem ein, ließ König Jojachin nach Babylon bringen und setzte Zedekia als König ein [4]. Als Zedekia sich gegen ihn wandte, eroberte das babylonische Heer die Stadt 587 v. Chr. erneut [4]. Jerusalem und der Tempel wurden zerstört, ein Teil der Bevölkerung kam ins Exil nach Babylonien [1]. Die biblischen Bücher 2. Könige und Daniel erzählen aus Sicht der Verschleppten von dieser Zeit.
Babylon unter Nebukadnezar II.
Nebukadnezar ließ in Babylon, Borsippa, Uruk, Ur, Larsa und Sippar Tempel, Paläste, Stufentürme und Mauern bauen [4]. In Babylon wurde unter ihm die Zikkurat Etemenanki fertig, ein Stufenturm von etwa 91 Metern Höhe [4]. Die Stadtmauer hatte nach den Messungen des Ausgräbers Robert Koldewey einen Umfang von rund 18 Kilometern [2, 4]. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot gab 86 Kilometer an, was als stark übertrieben gilt [2]. Außerhalb der Hauptstadt ließ Nebukadnezar eine Mauer gegen die Meder bauen, die von Sippar bis Opis am Tigris reichte [4].

Zur Stadtbefestigung gehörte das Ischtar-Tor, das Nebukadnezar zusammen mit der Prozessionsstraße in seiner endgültigen Form errichten ließ [5]. Es ist mit glasierten Ziegeln verkleidet, deren Blau vor allem von Kobaltoxid stammt [5]. Löwen auf der Prozessionsstraße stehen für die Göttin Ischtar, Stiere am Tor für den Wettergott Adad und schlangenartige Mušḫuššu-Drachen für den Stadtgott Marduk [5].
Ob es die Hängenden Gärten, eines der sieben Weltwunder, in Babylon wirklich gab, ist offen. Der babylonische Geschichtsschreiber Berossos schrieb sie Nebukadnezar II. zu [6]. Archäologisch ließen sie sich in Babylon nicht befriedigend nachweisen, und weder zeitgenössische babylonische Texte noch Herodot erwähnen einen solchen Bau [6]. Neben Berossos erwähnen Diodor und Strabon die Gärten; Diodor betont, man habe keine Vorrichtung gesehen, die das Wasser nach oben brachte [6]. Kai Brodersen nimmt an, dass die Gärten nie existierten und ein unzugänglicher Palastgarten Nebukadnezars in der Fantasie der Autoren immer wunderbarer wurde [6]. Die Assyriologin Stephanie Dalley vermutet sie seit den frühen 1990er-Jahren im Palastgarten Sanheribs in Ninive, bewässert mit einer archimedischen Schraube, und hat diese These 2013 in einem Buch ausgebaut [6]. In Ninive legten Sanheribs Ingenieure von 702 bis 688 v. Chr. ein Kanalnetz von rund 150 Kilometern an, das Quellwasser aus den Bergen in die Stadt leitete [8].
Das Ende: Nabonid und Kyros
556 v. Chr. riss Nabonid den Thron an sich [1]. Er hielt sich später etwa zehn Jahre in der Oase Tayma auf der Arabischen Halbinsel auf [10]. 539 v. Chr. besiegte der Perserkönig Kyros II. Babylonien [1, 2]. Das Land wurde eine Provinz des Achämenidenreichs. Amtssprache war nun das Aramäische, Gelehrte schrieben aber weiter Akkadisch [1]. Wie das persische Reich aufgebaut war, steht im Artikel über das Perserreich.
Babylon als Symbol
Lange bevor Ausgräber die Stadt freilegten, kannte man Babylon vor allem aus der Bibel und von griechischen Autoren. In der Bibel steht die Stadt für Exil und Verderbnis [2]. Bis heute ist "Babylon" ein Symbol in der Rastafari-Bewegung und in der Musik [2].
Gelehrsamkeit, Nachleben und Ausgrabung
Die Gelehrten Babylons arbeiteten auch unter persischer Herrschaft weiter. Im 5. Jahrhundert v. Chr. berechneten babylonische Astronomen das Sonnenjahr, und 410 v. Chr. entstand das erste bekannte Horoskop [1]. Alexander der Große starb 323 v. Chr. in Babylon [2]. Unter seinen Nachfolgern, den Seleukiden, verlagerte sich die Macht nach Seleukia am Tigris, und unter den Parthern verlor die Stadt weiter an Bedeutung [2].

Die moderne Erforschung begann mit der Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft unter Robert Koldewey. Er besuchte den Ort erstmals 1897 [5]. Die Grabung dauerte von 1899 bis 1917 [2]. Die Arbeiten begannen am 26. März 1899, das Ischtar-Tor wurde von Juli bis Dezember 1902 freigelegt [5]. Die Ziegelbruchstücke wurden in Kisten verpackt. 399 Kisten gingen per Schiff von Basra nach Hamburg und weiter auf dem Fluss bis zum Kupfergraben in Berlin, rund 400 weitere kamen im März 1927 in Hamburg an [5]. In Berlin wurden sie zusammengesetzt, und die Rekonstruktion von Tor und Prozessionsstraße war 1930 im Pergamonmuseum erstmals öffentlich zu sehen [5]. Der Berliner Nachbau ist kleiner als das Original [5].
Im Irak selbst ließ Saddam Hussein auf dem Ruinengelände neue Gebäude errichten [2]. Nach 2003 nutzten US-amerikanische und polnische Truppen das Gelände als Stützpunkt, wobei Schäden entstanden [2]. Seit 2019 steht Babylon auf der Welterbeliste der UNESCO [11].
- Babylonien. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Babylon. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Code de Hammurabi (Inventarnummer Sb 8). Musée du Louvre, Département des Antiquités orientales. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Nebukadnezar II.. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ischtar-Tor. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Hängende Gärten der Semiramis. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Karen Radner: The Assyrian empire (Knowledge and Power in the Neo-Assyrian Empire). Oracc, University of Pennsylvania Museum. Stand 17.12.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Karen Radner: Nineveh, Assyria's capital in the 7th century BC (Knowledge and Power in the Neo-Assyrian Empire). Oracc, University of Pennsylvania Museum. Stand 17.04.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Mari (Stadt). Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Nabonid. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Babylon. UNESCO-Welterbezentrum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Chronology of the ancient Near East. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Codex Hammurapi. Cuneiform Digital Library Initiative (CDLI Wiki, Universität Oxford). Stand 28.09.2016. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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