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Das Maurya-Reich: Chandragupta, Ashoka und das erste indische Großreich
Das Maurya-Reich war das erste Großreich auf dem indischen Subkontinent und bestand etwa von 320 bis 185 v. Chr., mit der Hauptstadt Pataliputra, dem heutigen Patna. Gegründet hat es Chandragupta Maurya, am bekanntesten ist sein Enkel Ashoka, der nach dem blutigen Krieg gegen Kalinga den Buddhismus förderte. Im Jahr 185 v. Chr. stürzte der General Pushyamitra den letzten Maurya-Herrscher.

Das Maurya-Reich war das erste Reich, das den größten Teil des indischen Subkontinents unter einer Herrschaft vereinte. Es entstand um 320 v. Chr. in der Landschaft Magadha im Nordosten Indiens und bestand bis 185 v. Chr. [1]. Hauptstadt war Pataliputra, das heutige Patna [1, 2]. Drei Könige prägten das Reich: der Gründer Chandragupta, sein Sohn Bindusara und sein Enkel Ashoka, dessen Inschriften auf Felsen und Säulen die wichtigsten Zeugnisse der Zeit sind [1, 3]. Was vor den Maurya in Indien geschah, zeigt der Artikel über das antike Indien.
Woher wir über die Maurya Bescheid wissen
Die Quellen zum Maurya-Reich sind ungleich verteilt. Zu den wichtigsten gehört die "Indika" des Griechen Megasthenes, der als Gesandter am Hof von Pataliputra lebte [2]. Dazu kommt das Arthashastra, ein Lehrbuch der Staatskunst, das die Überlieferung Chandraguptas Minister Kautilya zuschreibt [1]. Die Forschung liest es als Lehrbuch über ideale Regierung. Wie der Maurya-Staat tatsächlich funktionierte, lässt sich daraus nur begrenzt ablesen [1].
Am zuverlässigsten sind die Edikte Ashokas. Sie stehen an mehr als 30 Orten in Indien, Nepal, Pakistan und Afghanistan, aber nur zehn beschriftete Säulen sind erhalten [3]. Die meisten sind in Brahmi-Schrift geschrieben. Im Osten verwenden sie eine Form des Magadhi, im Westen eine Sprache, die dem Sanskrit nähersteht. In Afghanistan steht eine zweisprachige Inschrift auf Aramäisch und Griechisch [3]. Wann die Schrift wieder lesbar wurde, geben die Quellen unterschiedlich an. Nach dem Übersetzer S. Dhammika entzifferte der Brite James Prinsep 1837 eine Säuleninschrift in Delhi [3], nach der englischen Wikipedia gelang Prinsep die Entzifferung von Brahmi und Kharoshthi 1838 [2]. Dass der König, der sich in den Edikten "Piyadasi" nennt, Ashoka ist, bestätigte erst ein Fund im Jahr 1915, auf dem sein Name steht [3].
Chandragupta gründet das Reich
Chandragupta Maurya stürzte um 320 v. Chr. den letzten König der Nanda-Dynastie, die damals in Magadha herrschte. Wie das genau geschah, ist unbekannt [1]. Die englische Wikipedia datiert seinen Sieg und Herrschaftsantritt auf etwa 322 bis 319 v. Chr. und nennt mit dem Historiker Jansari auch einen Beginn zwischen etwa 311 und 305 v. Chr. als Möglichkeit [2]. Die World History Encyclopedia setzt den Sturz des Nanda-Königs auf 321 v. Chr. [5]. Als Lehrer und Berater gilt der Minister Kautilya, der auch Chanakya genannt wird [1].

Im Nordwesten stieß Chandragupta auf Seleukos I., einen der Nachfolger Alexanders des Großen. Nach dem griechischen Historiker Appian kam es um 303 bis 302 v. Chr. zu einer Auseinandersetzung, die mit einer Einigung und einer Heiratsverbindung endete [2]. Die World History Encyclopedia nennt für den Vertrag mit Seleukos das Jahr 305 v. Chr. [5]. Seleukos trat Gebiete östlich von Kabul ab, darunter Gandhara und Arachosien, und erhielt dafür 500 Kriegselefanten [1]. Die englische Wikipedia nennt nach dem Althistoriker Paul Kosmin Gandhara, die Paropamisaden und das östliche Gedrosien, vielleicht auch Arachosien und Aria bis Herat [2]. Die Elefanten setzte Seleukos nach dieser Darstellung 301 v. Chr. in der Schlacht bei Ipsos ein [2].
Um 302 v. Chr. schickte Seleukos Megasthenes nach Pataliputra [1]. Nach seinem Bericht war die Hauptstadt von einer Holzmauer mit 64 Toren und 570 Türmen umgeben [2]. Er beschrieb eine Gesellschaft aus sieben Gruppen, einen König, dem alles Land gehörte, und einen ausgebauten Spitzeldienst [1]. Die Bauern zahlten nach Megasthenes Pacht und ein Viertel ihrer Ernte an den Staat [1]. Nach der Überlieferung der Jainas trat Chandragupta am Ende seines Lebens zum Jainismus über und starb in Karnataka durch Fasten [1].
Bindusara
Chandraguptas Sohn Bindusara regierte etwa von 297 bis 268 v. Chr. und setzte die Ausdehnung des Reiches fort [1]. Auch hier weichen die Angaben ab: Die Historikerin Upinder Singh lässt ihn um 297 v. Chr. auf den Thron kommen und um 273 v. Chr. sterben, Alain Daniélou nennt als Todesjahr etwa 274 v. Chr., die buddhistische Chronik Mahavamsa gibt ihm 28 Regierungsjahre, das Vayu-Purana 25 [2]. An seinen Hof kamen weiterhin griechische Gesandte, etwa Daimachos [1]. Unter Bindusara standen große Teile Indiens unter Maurya-Herrschaft. Kalinga an der Ostküste und die tamilischen Königreiche im Süden gehörten nicht dazu [2]. Kalinga eroberte erst sein Sohn Ashoka [3].
Ashoka und der Krieg gegen Kalinga
Ashoka kam nach einem Machtkampf gegen seine Brüder auf den Thron, mit Hilfe seines Ministers Radhagupta [1]. Seine Regierungszeit wird meist mit 268 bis 232 v. Chr. angegeben, andere Angaben beginnen 272 oder 269 v. Chr. [1, 2]. Nach Dhammika wurde er um 304 v. Chr. geboren und starb 232 v. Chr. im 38. Jahr seiner Herrschaft [3].
Acht Jahre nach seiner Krönung, 262 v. Chr., eroberten Ashokas Heere Kalinga, etwa das heutige Odisha an der Ostküste [3]. Die englische Wikipedia datiert den Krieg auf 262 bis 261 v. Chr. [2], die World History Encyclopedia auf etwa 260 v. Chr. [5]. Die englische Wikipedia schätzt die Zahl der Toten auf etwa 100.000 Soldaten und Zivilisten, darunter mehr als 10.000 Soldaten des Maurya-Heeres [2]. Ashoka selbst ließ die Folgen in seinem 13. Felsedikt festhalten: 150.000 Menschen seien verschleppt worden, 100.000 getötet, und noch viel mehr seien aus anderen Gründen gestorben [3]. Nach dem Edikt bereute er den Krieg und erklärte die Eroberung durch den Dhamma, die rechte Lebensordnung, zur besten Eroberung [3].
Herrschaft nach dem Dhamma
Nach dem Krieg gegen Kalinga wandte sich Ashoka dem Buddhismus zu und stellte Gewaltlosigkeit und Fürsorge in den Mittelpunkt seiner Herrschaft [1]. Im 2. Felsedikt berichtet er, er habe zwei Arten von Heilbehandlung eingerichtet, eine für Menschen und eine für Tiere. Wo Heilkräuter fehlten, ließ er sie einführen und anbauen. An den Straßen ließ er Brunnen graben und Bäume pflanzen [3].

Ein Bruchstück einer Säule, wohl aus Meerut in Uttar Pradesh, enthält einen Text, der zur Duldung aller religiösen Gruppen und Stände aufruft. Es liegt heute im British Museum und wird auf etwa 238 v. Chr. datiert [4]. Das Bruchstück ist 33,6 Zentimeter hoch und aus Sandstein [4].
Im 13. Felsedikt nennt Ashoka außerdem fünf griechische Könige jenseits seiner Grenzen: Antiochos, Ptolemaios, Antigonos, Magas und Alexander [3]. Auch zu ihnen sei die Lehre vom Dhamma gelangt, so stellt es der König dar [3]. Die meisten Edikte sind in Prakrit verfasst, also in volkssprachlichen Formen des Indischen. Zwei sind griechisch, eines steht zweisprachig auf Griechisch und Aramäisch [2]. Die zweisprachige Inschrift steht in Afghanistan [3].
Ashoka schickte Gesandte aus, die den Buddhismus verbreiten sollten. Nach Sri Lanka ging Mahinda, den die Überlieferung als Bruder oder Sohn Ashokas bezeichnet [1]. Weitere Gesandtschaften zogen in den Südosten und Nordwesten Indiens [1]. Wie sich die Lehre danach in Asien ausbreitete, erklärt der Artikel über die Geschichte des Buddhismus.
Größe und Verwaltung
Unter Ashoka erreichte das Reich seine größte Ausdehnung. Die Schätzungen liegen zwischen 3,4 Millionen Quadratkilometern für das Jahr 261 v. Chr. und 5 Millionen für etwa 250 v. Chr. [2]. Auch bei der Bevölkerung gehen die Zahlen auseinander:
| Angabe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Fläche | 3,4 bis 5 Millionen km² | englische Wikipedia [2] |
| Fläche | etwa 5 Millionen km² | deutsche Wikipedia [1] |
| Einwohner | 15 bis 30 Millionen (3. Jahrhundert v. Chr., nach Tim Dyson) | englische Wikipedia [2] |
| Einwohner | 50 bis 60 Millionen | deutsche Wikipedia [1] |
Das Reich war in Provinzen geteilt. Die deutsche Wikipedia nennt fünf [1]. Wichtige Zentren außerhalb der Hauptstadt waren Taxila im Nordwesten, Ujjain auf dem Malwa-Plateau und Kalinga an der Küste des Golfs von Bengalen [2].
Säulen und Löwen
Die Säulen der Maurya haben einen polierten Schaft ohne Sockel und ein Kapitell in Form einer umgedrehten Lotusblüte. Die Forschung sieht darin persischen Einfluss [1]. Das bekannteste Kapitell stammt aus Sarnath und wird auf etwa 250 v. Chr. datiert [2]. Jawaharlal Nehru schlug es im Juli 1947 als Staatswappen des unabhängigen Indien vor, im Dezember 1947 wurde der Vorschlag angenommen [2]. Das Rad mit 24 Speichen vom Sockel des Kapitells steht in der Mitte der indischen Flagge [2]. Mehr über die Verbindung zwischen Persien und Indien zeigt der Artikel über das Perserreich.

Das Ende der Dynastie
Nach Ashokas Tod 232 v. Chr. zerfiel das Reich nach und nach [1, 3]. Die Forschung nennt dafür mehrere Gründe: schwache Nachfolger, eine Teilung des Reiches, Statthalter, die eigene Wege gingen, eine aufgeblähte Verwaltung, die Größe des Gebiets und Einfälle der Griechen aus Baktrien [2]. Der Historiker Hem Chandra Raychaudhuri meinte, Ashokas Friedenspolitik habe das Heer geschwächt. Romila Thapar hält diese Wirkung für stark übertrieben [2].
Den letzten Maurya-Herrscher, Brihadratha, stürzte sein General Pushyamitra und gründete die Dynastie der Shunga [1]. Die deutsche Wikipedia nennt dafür das Jahr 185 v. Chr., die englische führt neben 185 auch 180 v. Chr. an [1, 2]. Die World History Encyclopedia nennt im Text 185 und in ihrer Zeittafel 187 v. Chr. [5]. Wie es in China zur selben Zeit aussah, zeigt der Artikel über die Han-Dynastie.
- Maurya-Reich. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Maurya Empire. Wikipedia (englisch). Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Studie S. Dhammika: The Edicts of King Asoka (The Wheel Publication No. 386/387). Buddhist Publication Society, Kandy, Web-Ausgabe Access to Insight. Stand 1993, überarbeitet 30.11.2013. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Pillar edict of Emperor Asoka (British Museum OA 1880-21). Silk Road Seattle, University of Washington. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Maurya Empire (Anindita Basu). World History Encyclopedia. Stand 19.10.2022. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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