Antike und AltertumRatgeber
Das antike Indien: Indus-Kultur, Veden, Maurya und Gupta
Das antike Indien reicht von der Indus-Kultur, deren Städte um 2600 bis 1900 v. Chr. blühten, über die vedische Zeit bis zu den Großreichen der Maurya (etwa 320 bis 185 v. Chr.) und der Gupta (4. bis 6. Jahrhundert n. Chr.). In dieser Zeit entstanden die Veden, der Buddhismus und der Jainismus sowie die Gesellschaftsordnung der Varnas.

Erste Spuren menschlicher Tätigkeit, vor allem Steinwerkzeuge und Felsbilder, datiert die Bundeszentrale für politische Bildung auf etwa 200.000 v. Chr. [1]. Ackerbau und die ersten dauerhaften Siedlungen kamen im 4. Jahrtausend v. Chr. auf [1]. Im 3. Jahrtausend v. Chr. entstand im Nordwesten eine der frühesten Stadtkulturen der Welt [2].
Die Indus-Kultur
Im Nordwesten des Subkontinents, vor allem entlang des Indus und des Ghaggar, entwickelte sich die Indus- oder Harappa-Kultur [2]. Um 2600 v. Chr. wurden aus kleinen Dörfern Städte mit mehreren Tausend Einwohnern, die nicht mehr vor allem von der Landwirtschaft lebten [2]. Die Stadtkultur bestand bis etwa 1900 v. Chr. [2]. Das Gebiet umfasste rund 1,25 Millionen Quadratkilometer, mehr als das alte Ägypten und Mesopotamien zusammen [2]. Bekannt sind über 1.050 Fundorte, darunter mehr als 140 Städte und größere Siedlungen [2]. Auf ihrem Höhepunkt lebten dort möglicherweise über fünf Millionen Menschen [2].

Die größten Städte waren Harappa und Mohenjo-Daro, weitere Zentren lagen in Dholavira, Ganweriwala, Lothal und Rakhigarhi [2]. Die Städte folgten einem Plan: im Westen eine Zitadelle, daneben eine Unterstadt mit rechtwinkligem Straßennetz, dazu Wasserversorgung und Abwasserkanäle [2, 8]. Die Indus-Schrift ist bis heute nicht entziffert. Typische Inschriften haben vier bis fünf Zeichen, die längste bekannte 26 [2].
Ab etwa 1900 v. Chr. verfiel die Stadtkultur langsam, bis um 1800 v. Chr. waren die meisten Städte verlassen [2]. Die Bevölkerung blieb weitgehend, während Stadtleben, Schrift und Fernhandel zurückgingen [2]. Als Ursachen werden ein trockeneres Klima, das Austrocknen des Ghaggar-Hakra-Flusssystems, erschöpfte und versalzte Böden und das Ende des Handels mit Sumer diskutiert [1, 2]. Die Ruinen von Harappa beschrieb Charles Masson schon 1844, ihre Bedeutung erkannte man aber erst viel später [2]. Ausgegraben wurden Harappa und Mohenjo-Daro ab 1921/22 unter der Leitung von John Marshall, der darin eine bis dahin unbekannte Kultur erkannte [2]. Mehr über diese Kultur steht im Artikel über die Indus-Kultur.
Die vedische Zeit
Nach dem Ende der Indus-Städte wanderten Gruppen ein, die sich selbst "Arya" nannten, die Edlen. Die bpb beschreibt sie als Viehhirten, zahlenmäßig unterlegen, aber militärisch überlegen, die wahrscheinlich erst nach dem Niedergang der Indus-Kultur kamen [1]. Die ältere Vorstellung einer gewaltsamen "arischen Invasion", die die Indus-Kultur zerstört habe, wird heute kaum noch vertreten [2].

Die vedische Zeit reichte etwa von 1500 bis 600 v. Chr. [3]. Benannt ist sie nach den Veden, Hymnen, Legenden und liturgischen Texten in Sanskrit, die bis heute die Grundlage der hinduistischen Überlieferung bilden [1]. Der älteste Teil, der Rigveda, entstand nach der vorherrschenden Datierung zwischen etwa 1500 und 1000 v. Chr. [9]. In der späten vedischen Zeit, etwa 900 bis 600 v. Chr., siedelten die Einwanderer in der östlichen Gangesebene. Dort wurde mehr Reis angebaut, und es entstanden Städte und Handel [3].
In dieser Zeit bildete sich die Ordnung der vier Varnas heraus: Brahmanen als Priester und Gelehrte, Kshatriyas als Krieger, Vaishyas als Händler, Handwerker und Bauern und Shudras als Dienende [3]. Die bpb beschreibt das Kastenwesen als feste soziale Rangordnung, die ursprünglich neue Gruppen eingliedern sollte und sich um das 6. Jahrhundert v. Chr. verfestigte [1]. Ab etwa 600 v. Chr. gab es im Norden rund sechzehn Königreiche [3]. Unter König Bimbisara legte Magadha im 5. Jahrhundert v. Chr. die Grundlage für seine spätere Vormacht [3].
Buddhismus und Jainismus
Im 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden zwei Reformbewegungen, der Buddhismus und der Jainismus. Beide behielten Vorstellungen wie die Wiedergeburt bei, boten aber einen persönlichen Weg zur Erlösung und betonten die Gewaltlosigkeit [1].
Die Lebensdaten des Buddha, Siddhartha Gautama, sind umstritten. Lange galt in Europa eine Geburt um 563 v. Chr. und ein Tod zwischen 486 und 477 v. Chr. [4]. Die heutige Forschung setzt seinen Tod meist etwa ein Jahrhundert später an, zwischen 420 und 368 v. Chr. [4]. Nach der Überlieferung wurde er in Lumbini im heutigen Nepal geboren, erlangte in Bodhgaya das Erwachen, hielt bei Sarnath nahe Benares seine erste Lehrrede und starb mit etwa 80 Jahren in Kushinagar [4]. Wie sich seine Lehre ausbreitete, beschreibt der Artikel Die Geschichte des Buddhismus.
Alexander am Hydaspes
Im Mai 326 v. Chr. erreichte Alexander der Große den Nordwesten Indiens. Am Fluss Hydaspes, dem heutigen Jhelam im Gebiet des heutigen Pakistan, besiegte er den indischen König Poros [6]. Alexanders Heer zählte etwa 40.000 Mann, Poros verfügte über mehr als 30.000 Kämpfer und zwischen 85 und 200 Elefanten [6]. Alexander ließ Poros sein Gebiet, sofern dieser seine Oberherrschaft anerkannte [6]. Zur Erinnerung an den Sieg gründete er die Stadt Nikaia und benannte eine weitere Stadt, Alexandreia Bukephalos, nach seinem Pferd [6]. Den ganzen Feldzug erzählt der Artikel über Alexander den Großen.
Das Maurya-Reich und Ashoka
Wenige Jahre nach Alexanders Zug gründete Chandragupta Maurya um 320 v. Chr. ein Großreich. Sein Kernland war Magadha mit der Hauptstadt Pataliputra [5]. Um 303 v. Chr. schloss er einen Vertrag mit dem makedonischen König Seleukos I.: Seleukos überließ ihm Gebiete westlich des Indus und erhielt dafür 500 Kriegselefanten [5]. Der Gesandte Megasthenes, der um 302 v. Chr. an den Hof kam, beschrieb einen straff organisierten Staat [5]. Mit Chandraguptas Minister Kautilya wird das Arthashastra verbunden, eine Lehrschrift über Staatskunst, die Historiker allerdings nur eingeschränkt als Quelle nutzen [5]. Sein Sohn Bindusara (etwa 297 bis 268 v. Chr.) setzte die Ausdehnung fort [5].

Unter Ashoka, der von 268 bis 232 v. Chr. regierte, erreichte das Reich seine größte Ausdehnung über den größten Teil des Subkontinents [5]. Nach der blutigen Eroberung von Kalinga wandte er sich dem Buddhismus zu und stellte Gewaltlosigkeit und Fürsorge in den Mittelpunkt seiner Herrschaft [5]. Seine Botschaft ließ er in Felsen und auf Säulen meißeln, und buddhistische Gesandtschaften gingen unter anderem nach Sri Lanka [5]. Das Kernland um Pataliputra wurde direkt regiert, vier große Provinzen mit den Zentren Taxila, Kalinga, Ujjain und Suvarnagiri unterstanden Vizekönigen [5]. Nach der Darstellung der bpb vertrat er eine Staatsethik der Toleranz, der Gewaltlosigkeit und des Mitgefühls; zur Staatsreligion erhob er den Buddhismus dabei nicht [1]. Das Löwenkapitell seiner Säulen ist heute das Staatswappen Indiens [5].
Nach Ashokas Tod zerfielen Reich und Staatsidee, und die Brahmanen gewannen wieder an Einfluss [1]. 185 v. Chr. stürzte der General Pushyamitra den letzten Maurya-Herrscher Brihadratha und begründete die Shunga-Dynastie [5]. Die Geschichte dieser Dynastie erzählt der Artikel über das Maurya-Reich.
Das Gupta-Reich
Im 4. Jahrhundert n. Chr. stieg die Dynastie der Gupta auf, ursprünglich ein Fürstenhaus aus dem Grenzgebiet von Bihar und Bengalen [7]. Chandragupta I. regierte etwa von 320 bis 335 n. Chr., machte Pataliputra zu seinem Sitz und führte 320 eine eigene Zeitrechnung ein [7]. Sein Nachfolger Samudragupta (335 bis 375) dehnte das Reich durch Feldzüge aus und ließ Goldmünzen prägen, die ihn als Eroberer und als Musiker zeigen [7]. Unter Chandragupta II. (375 bis 413/415) blühte der Handel, und es entstanden sowohl hinduistische Tempel als auch buddhistische Stätten [7].
Der chinesische Pilgermönch Faxian bereiste das Land von 399 bis 412 und beschrieb es als wohlhabend, mit niedrigen Steuern und ohne Todesstrafe [7]. Die bpb nennt die Gupta-Zeit vom 4. bis zum Ende des 5. Jahrhunderts ein "goldenes Zeitalter" für Literatur und Wissenschaft [1]. Unter Kumaragupta I. (415 bis 455) blieb es weitgehend friedlich, doch die Verwaltung verlor an Zugriff, und örtliche Herrscher wurden stärker [7]. Ab dem späten 5. Jahrhundert drangen hunnische Gruppen nach Indien vor, die Skandagupta (455 bis 467) zunächst noch aufhalten konnte [7]. Nach der Niederlage des Thronanwärters Bhanugupta gegen Toramana 510 verloren die Gupta die nördlichen Gebiete, und spätestens um 562 war ihre Herrschaft am Ende [7].
Wie die Geschichte Indiens im größeren Rahmen weiterging, zeigt der Artikel Die Geschichte Asiens. Einen Blick auf Ostasien in derselben Epoche bietet der Artikel über das antike China.
- Behörde Joachim Betz: Epochen der indischen Geschichte bis 1947. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2007. abgerufen am 29.10.2026
- Indus-Kultur. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Geschichte Indiens, Abschnitt Vedische Zeit (Weiterleitung von Vedische Zeit). Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Siddhartha Gautama. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Maurya-Reich. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Schlacht am Hydaspes. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gupta-Reich. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Archaeological Ruins at Moenjodaro. UNESCO-Welterbezentrum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Rigveda. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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