Antike und AltertumRatgeber
Spartacus: der Sklavenaufstand von 73 bis 71 v. Chr.
Spartacus war ein Gladiator, der 73 v. Chr. mit rund 70 bis 78 Gefährten aus einer Gladiatorenschule in Capua floh. Sein Heer aus Sklaven und armen Freien besiegte mehrere römische Heere, bis Marcus Licinius Crassus es 71 v. Chr. vernichtete. Spartacus fiel in der Schlacht, etwa 6.000 Gefangene wurden an der Via Appia gekreuzigt.

Von 73 bis 71 v. Chr. zog ein Heer aus entlaufenen Sklaven durch Italien [2]. Angeführt wurde es von Spartacus, einem Gladiator aus Capua [2]. Sklaven gab es überall im Reich. In Pompeji etwa stellten sie nach Schätzungen bis zu einem Viertel der Bevölkerung [5]. Der Aufstand fiel in eine Zeit, in der die römische Republik ohnehin von inneren Krisen und Bürgerkriegen erschüttert wurde [5]. Wie Rom zu dieser Zeit aufgebaut war, erklärt der Artikel über das Römische Reich.
Was wir über Spartacus wissen
Über die Person ist wenig sicher. Sein Geburtsjahr ist unbekannt [2]. Der griechische Schriftsteller Plutarch berichtet, Spartacus habe zu den nomadischen Stämmen Thrakiens gehört [1]. Plutarch betont auch, er sei gebildeter gewesen, als man es von einem Thraker erwartet habe. Der Historiker Jona Lendering hält das für ein literarisches Klischee [1]. Nach anderen antiken Quellen hatte Spartacus vorher als Hilfssoldat im römischen Heer gedient [1]. Der Gelehrte Varro behauptete sogar, er sei zu Unrecht zum Kampf in der Arena verurteilt worden [1].
Die wichtigsten Berichte stammen von Plutarch in seiner Lebensbeschreibung des Crassus und von Appian in seiner Geschichte der Bürgerkriege. Kürzere Nachrichten geben Florus und Orosius. Der römische Historiker Sallust könnte eine gemeinsame Vorlage für mehrere dieser Autoren gewesen sein [1]. Alle diese Texte wurden aus römischer oder griechischer Sicht geschrieben, Aussagen der Aufständischen selbst sind nicht überliefert [1].
Der Ausbruch aus Capua
73 v. Chr. flohen Gladiatoren aus der Schule des Gnaeus Lentulus Batiatus in Capua [1, 2]. Wie viele es waren, ist nicht genau überliefert. Plutarch nennt 78 Mann [3], Wikipedia spricht von etwa 70 und weist darauf hin, dass die Zahlen in den Quellen schwanken [2]. Laut Plutarch hatten sie zunächst nur Küchenmesser und Bratspieße. Unterwegs erbeuteten sie Waffen und zogen sich auf den Vesuv zurück [1].

Plutarch schildert die Flucht genauer. Die Gladiatoren in der Schule waren nach ihm meist Gallier und Thraker, und sie wurden wegen der Härte ihres Besitzers eingesperrt gehalten. Etwa 200 hätten die Flucht geplant [3]. Unterwegs hätten sie Wagen mit Gladiatorenwaffen erbeutet [3]. Später besiegten sie Soldaten aus Capua und nahmen ihnen richtige Kriegswaffen ab [3]. Plutarch erzählt auch, die Frau des Spartacus sei eine Seherin seines Stammes gewesen. Sie habe eine Schlange, die sich um sein Gesicht gelegt hatte, als Zeichen großer Macht gedeutet [3].
Als Anführer wählten die Entflohenen neben Spartacus auch Crixus und Oenomaus. Vermutlich standen die drei für verschiedene Gruppen innerhalb der Gladiatoren [1]. Schnell schlossen sich Sklaven und verarmte Freie aus der Umgebung an [2].
Siege über römische Heere
Der Proprätor Gaius Claudius Glaber schloss die Aufständischen mit rund 3.000 Mann am Vesuv ein [1]. Sie entkamen aus der Umzingelung und überrumpelten sein Lager [1]. Plutarch, der den Befehlshaber Clodius nennt, beschreibt den Berg als Stellung mit nur einem schmalen Aufstieg. Die Eingeschlossenen hätten aus wilden Reben Leitern geflochten, sich an der steilen Seite abgeseilt und die Römer von hinten überrascht [3]. Danach schlugen sie auch die getrennten Abteilungen des Prätors Publius Varinius und nahmen seine Liktoren gefangen, die Amtsdiener eines römischen Beamten [1].
Wie groß das Heer der Aufständischen wurde, lässt sich nur schätzen. Appian spricht von etwa 70.000 Männern, auf dem Marsch nach Norden sogar von 120.000 Fußsoldaten [1].
| Römischer Befehlshaber | Ort oder Gegend | Ausgang |
|---|---|---|
| Gaius Claudius Glaber, Proprätor | Vesuv | Aufständische durchbrechen die Einschließung und nehmen das Lager [1] |
| Publius Varinius, Prätor | Kampanien | getrennte Abteilungen geschlagen [1] |
| Lucius Gellius Publicola, Konsul | bei Foggia | Sieg über die Abteilung des Crixus [1] |
| Gnaeus Cornelius Lentulus Clodianus, Konsul | Apennin | Niederlage gegen Spartacus [1] |
| Gaius Cassius Longinus | bei Mutina (Modena) | Niederlage gegen Spartacus [1] |
| Legaten des Crassus | bei Petelia | letzter Sieg der Aufständischen [1] |
Danach zogen beide Konsuln gegen die Aufständischen [1]. Gellius besiegte bei Foggia die Abteilung des Crixus, nach Appian fielen zwei Drittel ihrer 3.000 Mann [1]. Lentulus Clodianus dagegen wurde im Apennin geschlagen [1].
Über die Alpen oder zurück nach Süden
Spartacus wollte nach der Darstellung der Quellen mit seinem Heer über die Alpen ziehen, damit die Männer in ihre Heimat in Gallien, Germanien oder auf dem Balkan zurückkehren konnten [1]. Bei Mutina, dem heutigen Modena, schlug er noch Gaius Cassius Longinus, den Statthalter von Gallia Cisalpina, dem Gallien diesseits der Alpen [1, 3]. Dann aber wandte sich das Heer wieder nach Süden und plünderte Italien. Plutarch erklärt das damit, dass die Männer nicht mehr auf Spartacus hörten [1]. Lendering sieht einen anderen Grund: Die Sklaven hätten nachgeahmt, wie die römischen Legionen in den Bürgerkriegen geplündert hatten [1].
Crassus übernimmt den Krieg
Nach den Niederlagen bekam Marcus Licinius Crassus den Oberbefehl [1]. Er stellte die Disziplin mit harten Mitteln her. Legionen unter Mummius, die sich ohne Befehl auf ein Gefecht eingelassen hatten, ließ er dezimieren: Jeder zehnte Soldat wurde von seinen eigenen Kameraden getötet [1]. Mit acht Legionen, rund 32.000 Mann, drängte er die Aufständischen in den äußersten Süden Italiens [1].

Im Winter 72/71 v. Chr. besetzten die Aufständischen die Stadt Thurii [1]. Spartacus wollte nach Sizilien übersetzen und verhandelte dafür mit kilikischen Piraten [1]. Die Schiffe kamen nie [1]. Crassus ließ nun eine Befestigung quer durch die Landschaft Bruttium im heutigen Kalabrien ziehen, nach Lendering etwa 60 Kilometer lang [1]. Plutarch beschreibt einen Graben über die Landenge bei Rhegium, etwa 300 Stadien lang und je 15 Fuß breit und tief, dahinter eine hohe Mauer [3]. In einer Winternacht mit Schneesturm ließ Spartacus nach Plutarch einen Teil des Grabens auffüllen und brachte etwa ein Drittel seines Heeres hinüber [3].
Die letzte Schlacht 71 v. Chr.
Die Aufständischen durchbrachen die Sperre noch einmal und siegten bei Petelia über zwei Unterführer des Crassus [1]. 71 v. Chr. kam es zur Entscheidungsschlacht, nach Wikipedia der Zweiten Schlacht am Silarus [2]. Das Heer der Aufständischen wurde vernichtet, Spartacus fiel [2]. Plutarch erzählt, er habe vor dem Kampf sein Pferd getötet und sich zuletzt allein gegen die Angreifer verteidigt [3]. Seine Leiche wurde nie gefunden [1].
Über die Verluste gehen die Angaben weit auseinander. Nach der Bilanz des Crassus fielen 12.300 Aufständische, wurden nach Lendering die verbliebenen 35.000 besiegt [1]. Die Inhaltsangaben zum Geschichtswerk des Livius nennen 60.000 Tote [1]. Die Römer erbeuteten fünf Legionsadler, 26 weitere Feldzeichen und fünf Rutenbündel, die Fasces [1].
Gnaeus Pompeius war gerade aus Spanien zurückgekehrt und sollte Crassus unterstützen. In die Schlacht griff er nicht mehr ein, seine Legionen töteten aber rund 5.000 fliehende Aufständische [2]. Plutarch berichtet, Pompeius habe an den Senat geschrieben, Crassus habe die Sklaven zwar in offener Feldschlacht besiegt, den Krieg aber habe er selbst beendet. Crassus erhielt deshalb nur den kleinen Triumph, die Ovation [3]. Pompeius und Crassus verfolgten danach versprengte Gruppen in den Bergen von Bruttium [1]. Im folgenden Jahr, 70 v. Chr., waren die beiden Rivalen gemeinsam Konsuln [3]. Crassus starb Jahre später auf einem Feldzug gegen die Parther, nach der Niederlage bei Carrhae [3].
Die Kreuzigungen an der Via Appia
Crassus ließ etwa 6.000 gefangene Aufständische entlang der Via Appia zwischen Capua und Rom kreuzigen [1, 2]. Kubricks Film von 1960 zeigt auch Spartacus am Kreuz [2]. Das ist historisch falsch, denn er fiel in der Schlacht [2].

Wollte Spartacus die Sklaverei abschaffen?
Nach Appian wollte Spartacus vor allem in die Heimat fliehen. Eine Abschaffung der Sklaverei oder eine neue Gesellschaftsordnung strebte er nach den Quellen nicht an [2]. Auch marxistische Historiker sprachen ihm eine Absicht, das System zu stürzen, meist ab. Eine Ausnahme war der sowjetische Historiker A. W. Mischulin [2].
Spartacus als Vorbild
Karl Marx lobte Spartacus in einem Brief an Friedrich Engels vom 27. Februar 1861 als herausragende Gestalt der antiken Geschichte [2]. In Deutschland griff die Opposition innerhalb der SPD den Namen auf. Anfang 1915 sammelte sich um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg eine Gruppe, die den Burgfrieden der Partei im Krieg ablehnte und zunächst nach ihrer Zeitschrift "Die Internationale" hieß [4]. Seit 1916 verbreitete sie ihre Ziele in den illegalen Spartakusbriefen [4]. Der nun Spartakusbund genannte Kreis schloss sich 1917 der USPD an und ging Ende 1918 in der neu gegründeten KPD auf [4]. Die Zeit danach behandelt der Artikel über die Weimarer Republik.
Auch Kunst und Film nahmen den Stoff auf. Aram Chatschaturjan schrieb 1954 das Ballett "Spartakus" [2]. Stanley Kubricks Film "Spartacus" kam 1960 mit Kirk Douglas in der Titelrolle heraus und beruht auf dem Roman von Howard Fast [2]. Weitere Kämpfe der römischen Zeit beschreibt der Artikel über berühmte Schlachten der Antike.
- Jona Lendering: Spartacus. Livius.org. Stand 03.02.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Spartacus. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Plutarch: Leben des Crassus, Kapitel 8 bis 11 (Loeb Classical Library, 1916), Online-Ausgabe von Bill Thayer. University of Chicago, LacusCurtius. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Burkhard Asmuss: Spartakusbund (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 08.06.2011. abgerufen am 29.10.2026
- Römisches Reich. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
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