Das 21. JahrhundertRatgeber

Der Russisch-Ukrainische Krieg: von der Krim bis zur Vollinvasion

Der Russisch-Ukrainische Krieg begann 2014 mit der Besetzung der Krim und dem Krieg im Donbas. Am 24. Februar 2022 startete Russland eine Vollinvasion der Ukraine. Anfang 2026 kontrollierte Russland nach Angaben der bpb rund 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets, Verhandlungen hatten bis Anfang Oktober 2026 keinen Waffenstillstand gebracht.

Ein weites Feld reifer Sonnenblumen unter schwerem Wolkenhimmel in der Dämmerung, am Horizont eine Pappelreihe
Bild: KI-generiert

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat zwei Anfänge. 2014 besetzte Russland die Krim und unterstützte bewaffnete Gruppen im Donbas, am 24. Februar 2022 folgte die Vollinvasion [2, 3]. Die bpb nennt diesen Angriff einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg [2]. Im Februar 2026 kontrollierte Russland rund 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets, darunter die Krim und Teile der Regionen Donezk, Luhansk und Saporischschja [3].

Die Ukraine nach 1991

Seit der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 stritten die Menschen im Land regelmäßig über Sprache, Geschichtsdeutung und die Frage, ob das Land sich nach Westen oder nach Russland ausrichten soll [1]. Diese Auseinandersetzungen verliefen nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Andreas Umland überwiegend friedlich [1]. Die Ukraine entstand aus dem Zerfall der Sowjetunion, dessen Vorgeschichte die Artikel zum Kalten Krieg und zum Ostblock erzählen.

Umland führt die wachsende Aggressivität der russischen Führung während und nach dem Euromaidan hauptsächlich auf innerrussische Gründe zurück [1]. Als weiteren Faktor nennt er, dass Russland nach der Fertigstellung der ersten Nord-Stream-Pipeline Ende 2012 beim Gastransit weniger auf die Ukraine angewiesen war [1].

Euromaidan, Krim und Donbas 2014

Am 21. November 2013 begann in Kyjiw die Protestbewegung, die in der Ukraine "Revolution der Würde" heißt und außerhalb meist Euromaidan [1]. Sie endete am 21. Februar 2014 mit dem Sturz von Präsident Wiktor Janukowytsch, der nach Russland floh [1].

Eine felsige Küste am Schwarzen Meer mit steilen Kalksteinklippen bei Sonnenaufgang und einer kleinen leeren Bucht
Bild: KI-generiert

Schon am 20. Februar 2014 begann nach Umland die russische Besetzung der Krim [1]. Ein Referendum mit angeblich 97 Prozent Zustimmung erkannte die internationale Gemeinschaft nicht an, am 18. März 2014 folgte der Vertrag über den "Beitritt" der Halbinsel zu Russland [1]. Im Osten begann der Krieg am 12. April 2014, als bewaffnete Gruppen Verwaltungsgebäude in Slowjansk und Kramatorsk besetzten [1]. Am 17. Juli 2014 wurde über dem Kampfgebiet ein malaysisches Passagierflugzeug abgeschossen [1].

Deutschland und Frankreich vermittelten im September 2014 und im Februar 2015 die Minsker Vereinbarungen [1]. Sie brachten weder eine wirksame Waffenruhe noch gab Russland die Kontrolle über die besetzten Gebiete an Kyjiw zurück; im Februar 2015 eroberten die Separatisten Debalzewe [1]. Bis 2022 starben im Krieg in der Ostukraine mindestens 14.000 Menschen [2].

Die Vollinvasion vom 24. Februar 2022

Wenige Tage vor dem Angriff erkannte Präsident Wladimir Putin die selbst ernannten Republiken in Donezk und Luhansk an [2]. Am 24. Februar 2022 begann die Vollinvasion. Russische Truppen stießen auf Kyjiw und Charkiw vor und besetzten Cherson und Melitopol [2]. Die Ukraine drängte sie aus dem Norden und aus der Region um Kyjiw zurück, die Hafenstadt Mariupol fiel im Mai 2022 [2]. Bis Mai 2022 hatten 5,4 Millionen Menschen das Land verlassen [1]. Mit der Invasion waren die Minsker Vereinbarungen hinfällig [1].

Später im Jahr 2022 eroberte die Ukraine Gebiete um Charkiw und Cherson zurück [2]. Bis Ende 2022 gewann sie nach Umland etwa die Hälfte der neu besetzten Gebiete zurück [1]. Im Oktober 2022 begann Russland eine groß angelegte Luftoffensive gegen die zivile Energieversorgung, die sich seitdem zu Beginn jeder kalten Jahreszeit wiederholt [3].

Stellungskrieg und Luftkrieg

Nach der gescheiterten ukrainischen Gegenoffensive von 2023 erstarrte die Front zu einem Stellungskrieg [2]. 2024 eroberte Russland nach Zahlen des Institute for the Study of War rund 4.168 Quadratkilometer, unter hohen Verlusten [2]. Die Ukraine stieß 2024 in die russische Region Kursk vor; bis Februar 2025 war das gehaltene Gebiet auf etwa ein Drittel seiner größten Ausdehnung geschrumpft [2]. Im Februar 2025 waren nach bpb-Angaben rund 18 Prozent der Ukraine einschließlich der Krim besetzt [2]. Seit Ende 2024 kämpfen nordkoreanische Soldaten auf russischer Seite, Schätzungen nennen bis zu 12.000 [2].

Ein Umspannwerk in verschneiter Landschaft an einem grauen Wintermorgen, verbogene Stahlgerüste und lose Kabel
Bild: KI-generiert

Der Luftkrieg nahm weiter zu. Der "Monitor Luftkrieg Ukraine" der Konrad-Adenauer-Stiftung zählte 2025 rund 56.700 Luftangriffe auf zivile Ziele, viermal so viele wie im Vorjahr [3]. Im Januar 2026 erklärten Präsident Wolodymyr Selenskyj und der ukrainische Energieminister, im ganzen Land sei keine Energieanlage mehr unbeschädigt [3]. Fachleute werten die Schäden am Stromnetz als die schwersten des gesamten Krieges [3]. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko hatten bis Januar 2026 mindestens 600.000 Menschen Kyjiw verlassen [3].

Opfer, Flucht und Kriegsverbrechen

Das UN-Menschenrechtsbüro OHCHR hatte nach dem Bericht der bpb vom 20.02.2026 seit Februar 2022 mindestens 14.999 getötete Zivilistinnen und Zivilisten verifiziert, darunter 763 Kinder, und über 40.000 Verletzte [3]. Die tatsächliche Zahl liegt nach Einschätzung des OHCHR höher [3]. Militärische Verluste lassen sich schwer prüfen. Eine Analyse des US-Instituts CSIS schätzt die russischen Verluste an Toten und Verwundeten seit Kriegsbeginn auf etwa 1,2 Millionen, allein für 2025 auf rund 415.000, also etwa 35.000 im Monat [3]. Die Ukraine sprach bis Februar 2025 von rund 860.000 getöteten oder verwundeten russischen Soldaten [2].

Im Januar 2025 lebten rund 6,86 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer als Flüchtlinge im Ausland, über 3,5 Millionen waren innerhalb des Landes vertrieben [2]. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft registrierte bis November 2025 über 190.000 Fälle mutmaßlicher Kriegsverbrechen [3]. Im März 2023 erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen Wladimir Putin und die russische Kinderbeauftragte Maria Lwowa-Belowa wegen der Verschleppung ukrainischer Kinder [1, 3]. Im Juni 2025 einigten sich der Europarat und die Ukraine auf einen Sondergerichtshof mit Sitz in Den Haag; Verurteilungen amtierender Staats- und Regierungschefs sieht er nicht vor [3]. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stellte im Juli 2025 fest, Russland habe seit 2014 ein "System von Verstößen" gegen die Menschenrechte errichtet [3]. Ein UN-Bericht über die Zeit vom 1. Juni bis 30. November 2025 beschreibt Deportationen ukrainischer Zivilisten aus besetzten Gebieten und mindestens 4.500 Häuser, die im Zuge von Enteignungen betroffen waren [3].

Folgen für Europa und die NATO

Finnland und Schweden traten der NATO bei. Finnland wurde am 4. April 2023 das 31. Mitglied, Schweden am 7. März 2024 das 32. Mitglied [4]. Westliche Lieferungen erweiterten die Raketen- und Luftabwehr der Ukraine. Deutschland zögerte anfangs und lieferte später unter anderem Leopard-2-Panzer, das Luftabwehrsystem IRIS-T und die Panzerhaubitze 2000 [2]. Im November 2024 erlaubten die USA Angriffe mit ATACMS-Raketen auf Ziele in Russland [2]. Die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern blieb in Deutschland umstritten [2]. Die EU beschloss für 2024 bis 2027 Hilfen von bis zu 50 Milliarden Euro [2]. Vor der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026 warnten der britische Generalstabschef Richard Knighton und der Generalinspekteur der Bundeswehr Lars Breuer vor einer wachsenden militärischen Bedrohung durch Russland [3]. Deutschland und andere Staaten erhöhten ihre Verteidigungsausgaben [3].

Wie Russland zu dem Staat wurde, der diesen Krieg führt, zeigt der Artikel zur Geschichte Russlands. Die europäische Ordnung nach 1945 beschreibt die Geschichte der Europäischen Union.

Verhandlungen seit 2022

Erste direkte Gespräche zwischen beiden Seiten gab es vom 28. Februar bis 10. März 2022, unter anderem mit einer Einigung auf humanitäre Korridore am 3. März [5]. Im Frühjahr 2022 folgten Gespräche in Istanbul [5]. Danach ruhten direkte Gespräche bis zum 16. Mai 2025, als sich Delegationen in Istanbul trafen und einen Gefangenenaustausch vereinbarten; eine zweite Runde am 2. Juni 2025 brachte keinen Durchbruch [5]. Schon am 11. März 2025 hatte sich die Ukraine in Dschidda zu einer 30-tägigen Waffenruhe bereit erklärt [5]. Im Februar 2025 begann die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump; am 28. Februar 2025 wurde Selenskyj im Weißen Haus nach Darstellung der bpb demonstrativ brüskiert [3]. Schon nach einem Telefonat zwischen Trump und Putin Mitte Februar 2025 hatten die USA rasche Friedensgespräche angekündigt [2]. Berichten zufolge wollten sie einen NATO-Beitritt der Ukraine nicht unterstützen und keine eigenen Truppen schicken, Sicherheitsgarantien sollten die Europäer geben [2]. Eine Analyse der Stiftung Wissenschaft und Politik sah damals kein Anzeichen dafür, dass Russland den Krieg beenden wolle [2].

Ein leerer Verhandlungsraum mit langem ovalem Holztisch, Stuhlreihen, Wassergläsern und hohen Fenstern im Tageslicht
Bild: KI-generiert

Am 15. August 2025 trafen sich Trump und Putin in Alaska, ohne die Differenzen auszuräumen [5]. Im November 2025 wurde der Entwurf eines Friedensplans der USA bekannt, der nach Einschätzung internationaler Beobachter viele russische Kernforderungen übernahm, darunter die Abtretung von Gebieten im Donbas [3]. Gespräche in Genf am 23. und 24. November 2025 führten zu einer überarbeiteten Fassung, die Gebietsfragen blieben strittig [5]. Bei Gesprächen in Berlin am 14. und 15. Dezember 2025 meldete die Bundesregierung erhebliche Fortschritte bei Sicherheitsgarantien und einer von Europa geführten Truppe [5]. Am 6. Januar 2026 folgte die "Erklärung von Paris" der sogenannten Koalition der Willigen, der Ukraine und der USA zu Sicherheitsgarantien [5]. Am 23. Januar 2026 verhandelten die Ukraine, Russland und die USA erstmals gemeinsam in Abu Dhabi, am 4. und 5. Februar folgte dort eine zweite Runde mit einem Gefangenenaustausch, eine weitere Runde zu Gebietsfragen folgte am 17. Februar 2026 in Genf [5]. Nach der bpb-Dokumentation kamen die Verhandlungen mit dem US-Angriff auf Iran im März 2026 zum Erliegen [5].

Der Osteuropa-Forscher Heiko Pleines schrieb am 9. Juni 2026 in den Ukraine-Analysen der bpb, die russische Frühjahrsoffensive sei nach aktuellem Stand gescheitert, und Russland verzeichne erstmals seit 2023 Nettogebietsverluste an der Front; die Lage bleibe ein Stellungs- und Abnutzungskrieg, den absehbar keine Seite gewinnen könne [6]. Ende 2025 kontrollierte Russland nach seiner Angabe gut 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets [6]. Als bisherige russische Minimalforderung für einen Waffenstillstand nennt er den Abzug der Ukraine aus dem gesamten Donbas, die Ukraine signalisiere dagegen fortlaufend Gesprächsbereitschaft [6]. Anfang Oktober 2026 erklärte Putin laut dpa, Russland sei zu Verhandlungen bereit, aber nur zu Bedingungen, die für Russland akzeptabel seien. Selenskyj sagte, er gehe davon aus, dass die USA im Oktober ein Dreiertreffen mit Russland organisieren; das ukrainische Team sei bereit, Russland müsse noch zustimmen [7].

Weitere Ereignisse des 21. Jahrhunderts findest du im Bereich Das 21. Jahrhundert, etwa zum Aufstieg Chinas.

  1. Studie Andreas Umland: Ukraine (Dossier Innerstaatliche Konflikte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.06.2024. abgerufen am 29.10.2026
  2. Vor drei Jahren: Beginn der russischen Invasion in der Ukraine (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand Februar 2025. abgerufen am 29.10.2026
  3. Vier Jahre russische Vollinvasion in der Ukraine (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.02.2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Enlargement and Article 10. NATO. Stand 11.03.2024. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Dokumentation: Friedensverhandlungen (Ukraine-Analysen Nr. 329). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 25.03.2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Heiko Pleines: Kommentar: Der Stand des russischen Eroberungskriegs gegen die Ukraine. Trends und mögliche Trendwenden (Ukraine-Analysen Nr. 334). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 09.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Ukraine-Krieg: Selenskyj erwartet Verhandlungen über Beendigung des Kriegs noch im Oktober (dpa-Meldung). Stuttgarter Zeitung. Stand 05.10.2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.