Das 21. JahrhundertRatgeber

Der Aufstieg Chinas seit 1978

Chinas Aufstieg begann im Dezember 1978, als die Kommunistische Partei unter Deng Xiaoping die Abkehr von der zentralen Planwirtschaft einleitete. Nach der Weltbank wuchs die Wirtschaft seither im Schnitt um mehr als 9 Prozent im Jahr, fast 800 Millionen Menschen entkamen der extremen Armut. 2001 trat China der Welthandelsorganisation bei, 2010 wurde es zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, politisch blieb das Land ein Einparteienstaat.

Eine moderne Skyline aus Glastürmen hinter einem alten Viertel mit grauen Ziegeldächern an einem breiten Fluss am Abend
Bild: KI-generiert

Innerhalb von gut vier Jahrzehnten wurde China von einem Land mit niedrigem Einkommen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt [1, 3]. Den Ausgangspunkt bildete die Reform- und Öffnungspolitik, die Deng Xiaoping Ende 1978 durchsetzte [1, 2]. Die Kommunistische Partei öffnete die Wirtschaft schrittweise für Märkte und ausländisches Kapital, behielt aber das Machtmonopol [1].

China unter Mao bis 1976

Am 1. Oktober 1949 rief Mao Zedong auf dem Tiananmen-Platz in Peking die Volksrepublik China aus [1]. Sein Versuch, das Land mit dem "Großen Sprung nach vorn" von 1958 bis 1961 schnell zu industrialisieren, scheiterte. Die folgende Hungersnot kostete nach Schätzungen 15 bis 43 Millionen Menschen das Leben [1].

Von 1966 bis 1976 folgte die Kulturrevolution. Sie richtete sich gegen Parteikader, Intellektuelle und angebliche "Klassenfeinde", es gab Hinrichtungen, öffentliche Demütigungen und die Zwangsverschickung von Jugendlichen aufs Land. Viele Millionen Menschen wurden zu Opfern [1]. Mit Maos Tod und der Verhaftung der sogenannten Viererbande endete 1976 die maoistische Phase [1]. Mehr zu seiner Person steht im Lebensbild Mao Zedong.

Deng Xiaoping und die Reform ab 1978

Deng Xiaoping, 1904 in Sichuan geboren, war in der Kulturrevolution selbst gestürzt worden [2]. Ende 1978 setzte er sich als neuer "starker Mann" durch [1]. Auf der dritten Plenartagung des Zentralkomitees im Dezember 1978 leitete er die Abkehr von der zentralen Planwirtschaft ein, das Jahr gilt als Beginn der "Deng-Ära" [2]. Bekannt ist ein Satz aus seiner Rede auf einem Plenum von 1962: Es sei egal, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse [2].

Reisterrassen und kleine Bauernhäuser in einer grünen Hügellandschaft, ein Bauer arbeitet mit einer Hacke im Morgennebel
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Die Reformen verliefen schrittweise und als Experiment. Während andere ehemals sozialistische Staaten ihre Wirtschaft mit einem "Big Bang" auf einmal umstellten, ließ China Marktprinzipien nur ausgewählt zu und öffnete sich nach und nach dem Weltmarkt [1]. Die KPCh verzichtete darauf, die Kulturrevolution umfassend aufzuarbeiten. Der Verweis auf das "Chaos" jener Jahre half ihr aber, die neue Politik zu begründen [1].

Zuerst setzte die Führung auf den Export. Seit 1999 sollten chinesische Unternehmen unter dem Schlagwort "going global" auch im Ausland investieren, seit 2006 förderte der Staat eigene Innovationen, und seit 2013 kam die Neue Seidenstraße hinzu [1].

Tiananmen 1989: Reform ohne Demokratie

Das erste Reformjahrzehnt endete mit einer Protestbewegung. Studierende und andere Demonstranten forderten im Frühjahr 1989 unter anderem Freiheitsrechte und wandten sich gegen Inflation und Korruption [1]. Am 4. Juni 1989 schlug die Armee die Proteste in Peking nieder [1]. Nach dem bpb-Porträt von Uli Franz kommandierte Deng Xiaoping selbst die Gewehre der Armee, damit sie auf das Volk schießt [2].

Die wirtschaftliche Öffnung ging danach weiter, das politische System blieb autoritär [1]. In den 1990er Jahren schrieb die Führung die Wirtschaftsreformen fest. Die Sanierung der Staatsbetriebe kostete Millionen Menschen ihre Arbeit [1]. Protestbewegungen unterdrückte die Führung. Der Schriftsteller Liu Xiaobo, ein Mitverfasser der Charta 08 aus dem Jahr 2008, erhielt 2010 den Friedensnobelpreis [1].

Werkbank der Welt

Am 11. Dezember 2001 wurde China Mitglied der Welthandelsorganisation WTO [4]. 2010 wurde es zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt [1]. Wie sich das Gewicht verschoben hat, zeigt der Anteil Chinas an der weltweiten Wirtschaftsleistung, gemessen nach Kaufkraft [1]:

Ein großer Containerhafen in der Dämmerung mit gestapelten bunten Containern, Kränen und einem Frachtschiff
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JahrAnteil Chinas am kaufkraftbereinigten Welt-BIP
19802,26 Prozent [1]
202018,24 Prozent [1]

Nach der Weltbank wuchs die chinesische Wirtschaft seit 1978 im Schnitt um mehr als 9 Prozent im Jahr. Fast 800 Millionen Menschen entkamen der extremen Armut, das Land stieg von der Gruppe der Länder mit niedrigem zu der mit gehobenem mittlerem Einkommen auf. Extreme Armut gilt seit 2020 als beseitigt [3]. Die Weltbank misst den Lebensstandard inzwischen aber auch mit einer höheren Grenze von 8,30 Dollar am Tag. Unter dieser Grenze lebten 2024 noch 15,2 Prozent der Bevölkerung [3].

Der Wohlstand verteilte sich ungleich. 2020 verdiente ein Stadtbewohner im Schnitt das 2,5-Fache eines Landbewohners [1]. Schon das Deng-Porträt der bpb hält fest, dass die Reformen die Einkommensschere und die Kluft zwischen Stadt und Land vergrößerten [2]. Dazu kamen Umweltschäden: Im Environmental Performance Index 2020 lag China auf Platz 120 [1]. Heute verursacht das Land nach Angaben der Weltbank rund ein Drittel des jährlichen weltweiten CO2-Ausstoßes [3].

Xi Jinping und der Anspruch auf Weltgeltung

Xi Jinping, im Juni 1953 in Peking geboren, wurde 2012 Generalsekretär der Kommunistischen Partei und 2013 Staatspräsident [5]. Ab 2013 ließ er eine Kampagne gegen Korruption in Partei, Armee, Staatsunternehmen und Gesellschaft führen und warb mit der Kampagne des "chinesischen Traums" [5]. 2018 hob er die Begrenzung der Amtszeit für das Amt des Staatspräsidenten auf [5].

Nach der Historikerin Nicola Spakowski formuliert China unter Xi seinen Anspruch als Weltmacht deutlicher, tritt in Gebietskonflikten härter auf und unterdrückt Kritik im Inneren stärker [1]. Die Neue Seidenstraße stellte Xi im September und Oktober 2013 in Kasachstan und Indonesien vor. Sie soll ein weltweites Netz aus Verkehrswegen bis nach Afrika schaffen. Über das Format 16+1, später 17+1, band China Staaten aus Mittel- und Osteuropa ein [1]. Wie Handel und Wirtschaft sich über die Epochen entwickelt haben, zeigt der Artikel Wirtschaft und Handel in der Geschichte.

Hongkong und die Grenzen der Autonomie

Großbritannien übergab Hongkong 1997 an China. Nach der Gemeinsamen Erklärung beider Staaten von 1984 sollte das halbwegs liberale System der Stadt für 50 Jahre nach dem Grundsatz "Ein Land, zwei Systeme" erhalten bleiben [6]. 2019 demonstrierten Menschen monatelang gegen ein geplantes Auslieferungsgesetz. Die Regierung zog es zurück, die Proteste wuchsen aber zu einer Demokratiebewegung [6].

Eine dicht bebaute Hafenstadt vor grünen Hügeln, ein Holzschiff mit roten Segeln quert die Bucht
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Am 30. Juni 2020 verabschiedete der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses in Peking ein Gesetz über die nationale Sicherheit in Hongkong. Es sieht unter anderem für "Subversion" und "Abspaltung" Haftstrafen von sieben Jahren bis lebenslang vor [6]. 2024 wurden 45 Oppositionelle und Aktivisten zu vier bis zehn Jahren Haft verurteilt, mehrere Parteien und Organisationen lösten sich auf. Seit 2019 haben nach einer Medienangabe, die der bpb-Beitrag zitiert, über 200.000 Menschen Hongkong verlassen [6]. Repression richtet sich auch gegen ethnische Proteste in Tibet und Xinjiang [1].

Die Lager in Xinjiang

In der Region Xinjiang im Westen des Landes ließ die Führung ab dem Frühjahr 2017 Angehörige muslimischer Minderheiten, vor allem Uiguren, in Umerziehungslager einweisen. Als Gründe galten nach der Darstellung von Björn Alpermann unter anderem das Beten, Anrufe aus dem Ausland, eine verbotene App auf dem Mobiltelefon oder Verstöße gegen die Geburtenplanung [7]. Ihren Höhepunkt erreichte die Kampagne 2019. Schätzungen zur Zahl der Inhaftierten reichen von Hunderttausenden bis zu über einer Million, die Organisation Xinjiang Victims Database hat rund 60.000 Betroffene namentlich erfasst [7]. Wissenschaftler, Menschenrechtsorganisationen und Exilverbände werfen China Genozid oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor, einzelne ausländische Parlamente haben sich dem angeschlossen. Die chinesische Regierung begründet ihr Vorgehen mit Deradikalisierung und Armutsbekämpfung [7].

Zunächst bestritt die Regierung, dass es die Lager gibt. Ab Oktober 2018 bezeichnete sie sie als berufliche Ausbildungszentren zur Bekämpfung von Extremismus [7]. Ende 2019 erklärte die Regionalregierung, alle Insassen seien entlassen. Nach Alpermann verlagerte sich die Repression danach auf lange Haftstrafen und Zwangsarbeit [7]. Die Geburtenrate in Xinjiang sank von 15,88 Promille im Jahr 2017 auf 6,53 Promille im Jahr 2022, in den Jahren 2017 und 2018 lief eine Kampagne zur Sterilisation von Uigurinnen und Kasachinnen [7].

Grenzen des Wachstums

Bis etwa zur Jahrtausendwende profitierte China stark von den Produktivitätsgewinnen der Industrialisierung, die Reallöhne von Industriearbeitern stiegen von 1998 bis 2010 um etwa 10 Prozent im Jahr [8]. Nach der Weltfinanzkrise von 2008 und 2009 blieb das Wachstum im internationalen Vergleich hoch, erreichte aber nicht mehr die Werte der 2000er Jahre. Die Regierung spricht von einem "neuen Normalzustand" mit langsamerem Wachstum [8]. Mit der Strategie "Made in China 2025" will sie die Produktivität steigern und der sogenannten Falle mittlerer Einkommen entgehen. In Unterhaltungselektronik, Internettechnik, Künstlicher Intelligenz und bei Elektroautos haben chinesische Firmen nach dem Ökonomen Tobias ten Brink stark aufgeholt [8]. Seit 2013 stärkte Xi die Rolle der Partei in der Wirtschaft. Staatsunternehmen werden gefördert, private Konzerne wie Alibaba stärker reguliert [8].

Das alte Modell aus Investitionen und Exporten ist nach Einschätzung der Weltbank weitgehend ausgereizt [3]. Überschuldung von Unternehmen und Lokalregierungen und Überkapazitäten gelten als schwer zu steuernde Probleme [8]. Die Bevölkerung altert schnell, die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, und das bremst das Wachstum. Eine wachsende Zahl älterer Menschen könnte die öffentlichen Kassen belasten [3]. Im ersten Halbjahr 2025 wuchs die Wirtschaft real um 5,3 Prozent. Für 2026 erwartet die Weltbank nach ihrem China Economic Update vom Juli 2026 4,4 Prozent und für 2027 4,3 Prozent [3].

Chinas Geschichte vor 1949, von den ersten Dynastien bis zum Ende des Kaiserreichs, erzählt der Artikel Die Geschichte Chinas. Weitere Entwicklungen seit 2001, darunter die Globalisierung, sammelt der Bereich Das 21. Jahrhundert. Wie sich ein Einparteienstaat von einer Demokratie unterscheidet, erklärt demokratie.domain-root.de auf der Seite Was ist Demokratie?.

  1. Behörde Nicola Spakowski: China, vom Sturz der Qing-Dynastie bis zur Gegenwart (mit einem Abschnitt von Nele Noesselt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 23.05.2022. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Uli Franz: Porträt Deng Xiaoping. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 06.08.2008. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation The World Bank in China: Overview. Weltbank. Stand ohne Datum (Stand Oktober 2026). abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation China and the WTO. Welthandelsorganisation (WTO). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Kerry Brown: Chinas Staatschef Xi Jinping. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Andreas Fulda: Hongkong im Schatten des Sicherheitsgesetzes. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 07.10.2025. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Björn Alpermann: Chinas Umgang mit den Uiguren. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 05.10.2023. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Tobias ten Brink: Das chinesische Wirtschaftsmodell im Wandel. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 15.02.2021. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.