Das 21. JahrhundertRatgeber
Geschichte des Internets: vom ARPANET bis zum Smartphone
Das Internet geht auf das ARPANET zurück, über das am 29. Oktober 1969 die erste Nachricht von der UCLA zum Stanford Research Institute ging. Am 1. Januar 1983 stellte das ARPANET auf das Protokoll TCP/IP um. Das World Wide Web entstand ab 1989 am CERN, 1993 gab das CERN die Software gebührenfrei frei.

Am 29. Oktober 1969 wollten Leonard Kleinrock und seine Studenten an der University of California in Los Angeles (UCLA) das Wort "login" an einen Rechner am Stanford Research Institute schicken. Nach den ersten beiden Buchstaben stürzte das Netz ab, angekommen ist "LO" [3]. Aus diesem Versuchsnetz, dem ARPANET, entstand das Internet. Ein gutes halbes Jahrhundert später waren in Deutschland nur noch gut 4 Prozent der 16- bis 74-Jährigen offline [10].
Vom Rechenautomaten zum Netz
Das Deutsche Museum bezeichnet die Z3 von Konrad Zuse aus dem Jahr 1941 als erste voll funktionsfähige und frei programmierbare Rechenmaschine und als ersten programmierbaren Binärcomputer der Welt [1]. Mit ihr begann nach der Darstellung des Museums das Zeitalter der Universalrechner. Ihre Nachfolgerin Z4 entstand von 1942 bis 1945 in Berlin und war danach bis 1950 im Allgäu versteckt [1]. Der Rechner PERM von 1956 konnte bereits 8.192 Datenwörter zu je 51 Bit speichern [1]. Einen Nachbau der Z3 zeigt das Deutsche Museum in München, ein Foto vom Juni 1984 zeigt Zuse selbst davor [1].

Im Juli 1961 veröffentlichte Kleinrock, damals am Massachusetts Institute of Technology, die erste Arbeit über die Theorie der Paketvermittlung. Dabei werden Daten in kleine Pakete zerlegt, die getrennt verschickt werden. Im August 1962 beschrieb J. C. R. Licklider vom MIT in Memos ein "Galactic Network", in dem Computer auf der ganzen Welt verbunden wären und jeder schnell auf Daten und Programme zugreifen könnte [2].
Das ARPANET
Im September 1969 wurde an der UCLA der erste Knoten des ARPANET installiert, einen Monat später ging die erste Nachricht von Rechner zu Rechner an das Stanford Research Institute [2]. Die UCLA erinnert daran, dass nur die Buchstaben "LO" ankamen, bevor das Netz zusammenbrach [3]. Bis Ende 1969 waren vier Rechner im ARPANET verbunden [2]. Die UCLA beschreibt den Ort der ersten Übertragung als unscheinbaren Klassenraum in der Boelter Hall [3].
Im März 1972 schrieb Ray Tomlinson bei der Firma BBN die erste Software zum Senden und Lesen von E-Mails [2]. Die "Brief History of the Internet" der Internet Society stammt von 1997 und hat unter anderen Vinton Cerf, Robert Kahn und Kleinrock als Autoren [2].
Ein Netz aus Netzen
Ab dem Frühjahr 1973 arbeiteten Robert Kahn und Vint Cerf am Entwurf des Protokolls TCP/IP, eine erste schriftliche Fassung verteilten sie im September 1973 [2]. Am 1. Januar 1983 stellte das ARPANET an einem einzigen Stichtag, dem "flag day", vom alten Protokoll NCP auf TCP/IP um [2].
Paul Mockapetris von der University of Southern California erfand das Domain Name System (DNS). Es löste eine einzige zentrale Liste aller Rechnernamen ab und übersetzt Namen verteilt in Adressen [2]. 1985 startete in den USA das NSFNET der National Science Foundation, für das TCP/IP verbindlich wurde [2]. Wie eine Domain heute aufgebaut ist, erklärt Was ist eine Domain? auf domain-root.de.
Das Internet kommt nach Deutschland
Am 3. August 1984 um 10.14 Uhr traf an der damaligen Universität Karlsruhe die erste Internet-E-Mail in Deutschland ein. Abgeschickt hatte sie Laura Breeden vom CSNET-Koordinationszentrum bei BBN in Boston, und sie begann mit den Worten "This is your official welcome to CSNET" [4]. Empfänger waren Professor Werner Zorn und sein Mitarbeiter Michael Rotert [4]. Losgeschickt worden war die Nachricht am 2. August um 12.35 Uhr amerikanischer Zeit. Sie lag zunächst auf einem Weiterleitungsrechner des CSNET, bis Karlsruhe sie abrief, deshalb kam sie erst am nächsten Tag an [4]. Es war die erste Verbindung über das Internet zwischen dem amerikanischen CSNET und dem neuen CSNET-Server in Karlsruhe [4].

Am 5. November 1986 wurde die Länderkennung .de in die Datenbank der IANA eingetragen. Verwaltet wurde sie zunächst vom amerikanischen Netzbetreiber CSNET, 1988 übernahm die Informatikrechner-Betriebsgruppe der Universität Dortmund [5]. Ab Januar 1994 lag die Verwaltung beim Rechenzentrum der Universität Karlsruhe. Am 17. Dezember 1996 gründeten 37 deutsche Internetanbieter die Genossenschaft DENIC eG [5]. Die Zahl der .de-Domains wuchs so [5]:
| Zeitpunkt | .de-Domains |
|---|---|
| 1988 | 6 |
| 1994 | rund 1.000 |
| Mitte 1996 | rund 20.000 |
| Oktober 1999 | 1 Million |
| Juni 2006 | 10 Millionen |
| April 2012 | 15 Millionen |
| 13.07.2021 | 17 Millionen |
Welche Endungen es neben .de gibt, zeigt die Seite Domain-Endungen.
Das World Wide Web
Im März 1989 schrieb Tim Berners-Lee am Forschungszentrum CERN bei Genf seinen ersten Vorschlag für ein Informationssystem, das Rechner, Netze und Hypertext verbinden sollte [6]. Ende 1990 liefen am CERN der erste Webserver und der erste Browser, auf einem NeXT-Computer in Berners-Lees Büro. Die erste Website der Welt hatte die Adresse info.cern.ch [6].

Im März 1991 konnten Kollegen an CERN-Rechnern die Software nutzen, im August machte Berners-Lee sie in Newsgroups bekannt. Der erste Webserver außerhalb des CERN ging im Dezember 1991 am Forschungszentrum SLAC in Kalifornien in Betrieb [6]. Anfang 1993 brachte das National Center for Supercomputing Applications der Universität von Illinois den Browser Mosaic heraus, dessen Fenster-Oberfläche das Web schnell verbreitete. Am 30. April 1993 gab das CERN den Quellcode gebührenfrei frei [6]. Freigegeben wurden ein einfacher zeilenorientierter Browser, der Grundserver und eine gemeinsame Programmbibliothek. Das CERN verzichtete dabei ausdrücklich auf alle geistigen Eigentumsrechte an diesem Code [12]. Im November 1994 folgte die Version 3 der Serversoftware als Open Source, deren Urheberrecht beim CERN blieb [12].
Danach ging es schnell. Ende 1993 gab es über 500 bekannte Webserver, Ende 1994 schon 10.000, davon rund 2.000 kommerzielle, mit 10 Millionen Nutzern [6]. 1994 wechselte Berners-Lee an das MIT und gründete das World Wide Web Consortium (W3C) [6].
Mobil und immer online
Am 9. Januar 2007 stellte Apple auf der Messe Macworld in San Francisco das erste iPhone vor, als Telefon, Musikspieler und Gerät für die Internetkommunikation in einem [7]. Das Haus der Geschichte beschreibt Smartphones und Tablets als ständige Begleiter mit Apps für alle Lebensbereiche [8]. Nach seinen Angaben mit Stand 2016 nutzten rund 80 Prozent der Deutschen das Internet, und 64 Prozent arbeiteten im Beruf am Computer [8].
Die Digitalisierung veränderte ganze Branchen. Der Internethandel setzte den Versand- und Einzelhandel unter Druck, gekauft wurden online vor allem Bücher, Elektrogeräte, Schuhe und Kleidung. Davon profitierten die Logistikanbieter, die stark wuchsen [8]. Weil Musik digital getauscht werden konnte, brach der Verkauf von Tonträgern ein [8]. Soziale Netzwerke verschoben die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem [8]. Wie verbreitet das Einkaufen im Netz inzwischen ist, zeigt eine Erhebung des Statistischen Bundesamts: 2024 hatten gut 83 Prozent der 16- bis 74-Jährigen schon einmal etwas im Internet gekauft oder bestellt, rund 52 Millionen Menschen. In den drei Monaten vor der Befragung kauften 67 Prozent online ein, am häufigsten Kleidung, Schuhe und Accessoires (48 Prozent) sowie Filme, Serien und Musik (40 Prozent) [11]. Selbst in der Altersgruppe von 55 bis 74 Jahren hatten 73 Prozent schon online eingekauft [11]. Wann Internetnutzung zum Problem wird, erklärt die Seite Was ist Internetsucht?.
Daten und Überwachung
2013 enthüllte Edward Snowden, ein früherer Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes NSA, dass Geheimdienste E-Mails, SMS sowie Telefon- und Internetverkehr massenhaft erfassten, auch in Deutschland. Betroffen war nach der Darstellung des Hauses der Geschichte auch die Bundeskanzlerin [9]. Die Enthüllungen lösten in Deutschland eine neue Debatte über Datensicherheit und das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung aus [9]. Im selben Jahr richtete der Bundestag einen Ausschuss "Digitale Agenda" ein [8].
Wer heute offline ist
Ganz ohne Internet leben in Deutschland nur noch wenige. 2024 hatten gut 4 Prozent der 16- bis 74-Jährigen das Internet noch nie genutzt, das sind knapp 2,8 Millionen Menschen [10]. Am höchsten war der Anteil mit 12 Prozent bei den 65- bis 74-Jährigen. Im Durchschnitt der EU lag er bei 5 Prozent [10]. Die Zahlen stammen aus der Erhebung über die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik, die seit 2021 Teil des Mikrozensus ist, frühere Jahre lassen sich daher nur eingeschränkt vergleichen [10].
Wie Rechner und Netze in die lange Geschichte der Erfindungen passen, zeigt Wissenschaft und Technik in der Geschichte. Wie das Netz Handel und Arbeit über Grenzen hinweg verbindet, beschreibt Die Globalisierung, und wie viel älter das Speichern von Wissen ist, erzählt Die Erfindung der Schrift.
- Organisation Universalrechner (Ausstellung Informatik). Deutsches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Barry M. Leiner, Vinton G. Cerf, David D. Clark, Robert E. Kahn, Leonard Kleinrock, Daniel C. Lynch, Jon Postel, Larry G. Roberts, Stephen Wolff: Brief History of the Internet. Internet Society. Stand 1997. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation A Milestone in Technology. University of California, Los Angeles, Office of the Chancellor. Stand 12.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Press Release 113/2014: 30 Years of E-Mail in Germany. Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Stand 28.07.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation History of DENIC eG. DENIC eG. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation A short history of the Web. CERN. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Apple Reinvents the Phone with iPhone. Apple Newsroom. Stand 09.01.2007. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Markus Würz: Digitale Welt (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 26.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Markus Würz: Datensicherheit (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 12.04.2016. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Pressemitteilung Nr. N017: Gut 4 % der Bevölkerung im Alter von 16 bis 74 Jahren in Deutschland sind offline. Statistisches Bundesamt. Stand 10.04.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Pressemitteilung Nr. 446: 83 % der 16- bis 74-Jährigen kaufen online ein. Statistisches Bundesamt. Stand 28.11.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Licensing the Web. CERN. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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