Das 21. JahrhundertRatgeber
Die COVID-19-Pandemie: von Wuhan bis zum Ende der Notlage
Die COVID-19-Pandemie begann mit Fällen einer Lungenentzündung in Wuhan, die Ende Dezember 2019 bekannt wurden. Die WHO stufte den Ausbruch am 11. März 2020 als Pandemie ein und erklärte die internationale Gesundheitsnotlage am 5. Mai 2023 für beendet. Für 2020 und 2021 schätzt die WHO rund 14,9 Millionen zusätzliche Todesfälle weltweit.

Ende Dezember 2019 meldete die Gesundheitskommission der chinesischen Stadt Wuhan Fälle einer "viralen Lungenentzündung" [1]. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt allein für 2020 und 2021 rund 14,9 Millionen zusätzliche Todesfälle, die direkt oder indirekt mit der Pandemie zusammenhängen [11].
Der Ausbruch in Wuhan
Am 31. Dezember 2019 stieß das Länderbüro der WHO in China auf eine Mitteilung der Gesundheitskommission von Wuhan über Fälle von "viral pneumonia" [1]. Am 9. Januar 2020 berichtete die WHO, die chinesischen Behörden hätten ein neuartiges Coronavirus als Ursache bestimmt. Zwei Tage später teilte sie mit, dass sie die Erbgutsequenzen des Virus aus China erhalten habe [1].
Der Notfallausschuss der WHO konnte sich am 22. und 23. Januar 2020 nicht auf eine Empfehlung einigen, die Mitglieder waren in zwei gleich große Lager gespalten. Am 30. Januar erklärte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus den Ausbruch dann zur gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite [1]. Seit dem 11. Februar 2020 heißt die Krankheit COVID-19 [1]. Am 11. März 2020 stufte die WHO sie als Pandemie ein [1].
Der erste Fall in Deutschland
Den ersten COVID-19-Fall in Deutschland diagnostizierte am 27. Januar 2020 ein Team um die Ärztin Camilla Rothe am Tropeninstitut des LMU Klinikums in München. Den Labornachweis lieferte das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr [2]. Schon ab dem nächsten Tag richtete das Tropeninstitut eine Testeinheit ein, nach eigener Darstellung vermutlich die erste Teststation in Deutschland. Bis März 2021 wurden dort mehr als 10.000 PCR-Tests gemacht [2]. Der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nannte im Januar 2021 im Bundestag ebenfalls den 27. Januar 2020 als Tag der ersten Meldung [6].
Lockdown im Frühjahr 2020
Am 18. März 2020 wandte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung. Darin sagte sie: "Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst." Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es keine Herausforderung an das Land mehr gegeben, bei der es so sehr auf gemeinsames solidarisches Handeln ankomme [3]. Vier Tage später, am 22. März, einigten sich Bund und Länder auf Kontaktbeschränkungen, die am 12. März beschlossenen Leitlinien erweiterten [4].

In der Öffentlichkeit durfte man sich nun nur noch allein, mit einer weiteren Person außerhalb des eigenen Haushalts oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands aufhalten. Zu anderen Menschen sollte, wo immer möglich, ein Abstand von mindestens 1,5 Metern bleiben. Gaststätten mussten schließen, Lieferung und Abholung von Speisen blieben erlaubt. Die Regeln sollten mindestens zwei Wochen gelten [4].
Impfstoffe und Impfkampagne
Am 21. Dezember 2020 empfahl die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Impfstoff Comirnaty von BioNTech und Pfizer für Menschen ab 16 Jahren, und die EU-Kommission erteilte noch am selben Tag eine bedingte Zulassung [5]. In Deutschland begann die Impfkampagne am 27. Dezember 2020. Im Januar 2021 waren laut Spahn mehr als 750.000 Menschen geimpft, zwei Impfstoffe waren zugelassen [6].

Weltweit wurden bis Mai 2023 rund 13,3 Milliarden Impfdosen verabreicht. In den Gruppen mit Vorrang hatten 89 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen und 82 Prozent der über 60-Jährigen die Grundimmunisierung abgeschlossen [10].
Varianten und neue Wellen
Im Lauf der Pandemie traten neue Varianten des Virus auf. Eine der bekanntesten ist Omikron. Südafrika meldete die Variante am 24. November 2021 an die WHO, die erste bekannte bestätigte Infektion stammte aus einer Probe vom 9. November 2021. Am 26. November stufte die WHO sie als besorgniserregende Variante ein und gab ihr den Namen Omikron [7].
Grundrechte und Gerichte
Mit einigen Maßnahmen befasste sich das Bundesverfassungsgericht. Im April 2021 schrieb der Bund mit dem Vierten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite vom 22. April 2021 bundesweit einheitliche Regeln ins Infektionsschutzgesetz (§ 28b), die sogenannte Bundesnotbremse [8]. Dazu gehörten Kontaktbeschränkungen und nächtliche Ausgangsbeschränkungen. Das Bundesverfassungsgericht wies mit Beschluss vom 19. November 2021 mehrere Verfassungsbeschwerden dagegen zurück. Das Gericht stellte fest, dass die Maßnahmen in erheblicher Weise in Grundrechte eingriffen. Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen waren nach seiner Entscheidung aber in der äußersten Gefahrenlage der Pandemie mit dem Grundgesetz vereinbar [8]. Wie die Grundrechte im Grundgesetz aufgebaut sind, erklärt die Seite Die Grundrechte im Überblick.
Das Ende der Maßnahmen
Im Frühjahr 2023 liefen die letzten Regeln aus. Mit Ablauf des 7. April 2023 entfielen die verbliebenen Schutzmaßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz des Bundes. Zuletzt hatte noch eine FFP2-Maskenpflicht für Besucher von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie für Patienten und Besucher in Arztpraxen gegolten [9].
Einen Monat später zog die WHO nach. Ihr Notfallausschuss tagte am 4. Mai 2023, und am 5. Mai erklärte Tedros, COVID-19 sei nun ein etabliertes und fortbestehendes Gesundheitsproblem und keine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite mehr [10]. Als Grund nannte die WHO den sinkenden Trend bei den wöchentlichen Todesfällen und Krankenhausaufnahmen [10].
Wie viele Menschen starben
Die WHO hat die Übersterblichkeit berechnet, also die gesamte Zahl der Todesfälle, die direkt oder indirekt mit der Pandemie zusammenhängen [11]. Für den 1. Januar 2020 bis 31. Dezember 2021 kommt sie auf rund 14,9 Millionen, mit einer Spanne von 13,3 bis 16,6 Millionen [11].
| Merkmal | Anteil an der Übersterblichkeit 2020 und 2021 |
|---|---|
| Südostasien, Europa und Amerika | 84 Prozent |
| zehn am stärksten betroffene Länder | 68 Prozent |
| Länder mit mittlerem Einkommen | 81 Prozent |
| Länder mit hohem Einkommen | 15 Prozent |
| Länder mit niedrigem Einkommen | 4 Prozent |
| Männer | 57 Prozent |
| Frauen | 43 Prozent |
Die Tabelle gibt die Angaben der WHO vom 5. Mai 2022 wieder [11]. Für Deutschland zählte das Statistische Bundesamt im Jahr 2020 insgesamt rund 985.600 Sterbefälle. Bei 39.758 Menschen war COVID-19 das Grundleiden, bei weiteren 8.102 eine Begleiterkrankung. 70 Prozent der Verstorbenen mit COVID-19 als Grundleiden waren 80 Jahre oder älter [12]. Von März 2020 bis Februar 2021 starben in Deutschland fast 71.000 Menschen mehr als im Zeitraum davor, ein Plus von 7,5 Prozent [12].
Wirtschaftliche Folgen
Im April 2020 rechnete der Internationale Währungsfonds für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Weltwirtschaft um 3 Prozent. Seine Chefvolkswirtin Gita Gopinath sprach vom schwersten Abschwung seit der Großen Depression. Zum ersten Mal seit den 1930er-Jahren steckten Industrieländer und Schwellen- und Entwicklungsländer gleichzeitig in einer Rezession [14]. Die Weltwirtschaftskrise, mit der dieser Vergleich arbeitet, beschreibt der Artikel Die Weltwirtschaftskrise ab 1929.
Für Deutschland meldete das Statistische Bundesamt im Januar 2021 in einer ersten Berechnung, das Bruttoinlandsprodukt sei 2020 preisbereinigt um 5,0 Prozent gesunken. Der Einbruch war damit kleiner als 2009 mit minus 5,7 Prozent. Die öffentlichen Haushalte hatten 2020 ein Defizit von 158,2 Milliarden Euro, das erste seit 2011 [13].
Streit um den Ursprung
Woher das Virus kam, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Die wissenschaftliche Beratergruppe der WHO zum Ursprung neuer Krankheitserreger (SAGO) legte am 27. Juni 2025 ihren Bericht vor. Nach ihrer Einschätzung spricht das Gewicht der verfügbaren Belege für einen Übersprung vom Tier auf den Menschen, entweder direkt von Fledermäusen oder über einen Zwischenwirt [15]. Die WHO hat China um frühe Gensequenzen von Erkrankten, um Angaben zu den auf den Märkten in Wuhan verkauften Tieren und um Informationen über Laborarbeit und Biosicherheit in Wuhan gebeten. Diese Daten hat China nach Angaben der WHO nicht übermittelt [15]. Tedros sagte deshalb, alle Hypothesen müssten auf dem Tisch bleiben, auch ein Laborunfall [15].
Die Pandemie wird Geschichte
Historiker und Museen haben schon während der Pandemie begonnen, sie zu dokumentieren. Die Bundeszentrale für politische Bildung widmete dem Thema 2022 eine Folge ihres Podcasts zur Reihe "Aus Politik und Zeitgeschichte". Darin fragten der Historiker Malte Thießen und die Gedächtnisforscherin Astrid Erll, wie sich die Pandemie historisch einordnen lässt und welche Momente in Erinnerung bleiben [17]. Das Deutsche Historische Museum nahm im September 2025 ein großes Hinweisplakat der Münchner Teststation als Schenkung in seine Sammlung auf [2].

Auch die Politik arbeitet die Jahre auf. Der Bundestag setzte am 10. Juli 2025 die Enquete-Kommission "Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse" ein. Sie hat 14 Abgeordnete und 14 Sachverständige als Mitglieder und kam am 8. September 2025 zum ersten Mal zusammen. Ihren Abschlussbericht soll sie bis zum 30. Juni 2027 vorlegen [16].
Zum Vergleich mit früheren Seuchen bietet sich die Spanische Grippe von 1918 an. Einen Längsschnitt von der Antike bis heute bietet Medizin und Seuchen in der Geschichte, wie eine Krankheit durch Impfung verschwand, zeigt Die Pocken und ihre Ausrottung. Wie eng vernetzt die Welt war, in der sich das Virus ausbreitete, beschreibt der Artikel über die Globalisierung.
- Organisation Listings of WHO's response to COVID-19. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 29.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Corona-Zeitdokument: Plakat der frühen Teststation am Münchner Tropeninstitut an Deutsches Historisches Museum in Berlin übergeben. LMU Klinikum, Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin. Stand 22.09.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Stand 18.03.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vom 22.03.2020. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Stand 22.03.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde EMA recommends first COVID-19 vaccine for authorisation in the EU. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 21.12.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Spahn: "Die Impfung bringt Licht ans Ende des Tunnels." (Regierungserklärung zum Impfbeginn). Bundesministerium für Gesundheit. Stand 01.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Classification of Omicron (B.1.1.529): SARS-CoV-2 Variant of Concern. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 26.11.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Pressemitteilung Nr. 101/2021 zu den Verfassungsbeschwerden gegen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen (Beschluss vom 19.11.2021, 1 BvR 781/21 u. a.). Bundesverfassungsgericht. Stand 30.11.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Corona-Schutzmaßnahmen des Bundes enden zum 8. April 2023. Landesregierung Baden-Württemberg. Stand 05.04.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Statement on the fifteenth meeting of the IHR (2005) Emergency Committee regarding the COVID-19 pandemic. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 05.05.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation 14.9 million excess deaths associated with the COVID-19 pandemic in 2020 and 2021. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 05.05.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Pressemitteilung Nr. 563: Todesursachenstatistik 2020. Statistisches Bundesamt. Stand 09.12.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Pressemitteilung Nr. 020: Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 um 5,0 % gesunken. Statistisches Bundesamt. Stand 14.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Gita Gopinath: The Great Lockdown: Worst Economic Downturn Since the Great Depression. Internationaler Währungsfonds (IMF Blog). Stand 14.04.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation WHO Scientific advisory group issues report on origins of COVID-19. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 27.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Enquete-Kommission zur Corona-Pandemie hat sich konstituiert. Deutscher Bundestag. Stand 08.09.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde APuZ #5: Zwei Jahre Pandemie (Podcast mit Malte Thießen und Astrid Erll). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 02.03.2022. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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